Teil eines Werkes 
5. bis 14. Bändchen (1853)
Entstehung
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Unbeweglich und ſchweigſam betrachtete Marfa die Lampe, während ſie den Docht noch höher hinaufſchraubte.

Lechi, das kleine häßliche Mädchen mit dem ſchwaͤr⸗ meriſchen Blick, ſtand ganz nahe bei ihr. Das Mäd⸗ chen ſchien bekümmert. Ihre Wangen waren heiß. Die Bruſt hob ſich unruhig. Sie war ſo eben von Peters⸗ hof heimgekommen und ſchien Vorwürfe wegen ihres langen Ausbleibens zu fürchten.

— Seien Sie nicht böſe, gute Mutter— ſo pflegte ſie Marfa zu nennen— weil ich ſo ſpät zurückgekom⸗ men bin.

Marfa antwortete nicht, ſondern fuhr fort, die

Lampe in Ordnung zu bringen.

— Ich hätte ſchon ſeit ein paar Stunden zu Haus ſein können, fuhr Lechi über ſich ſelbſt klagend fort, aber als ich in den Wald kam, da war es mir, als rufe mich eine Stimme. Sie können nicht glauben, beſte Mutter, wie ſehr ich erſchrack. Aber da verwan⸗ delte ſich die Stimme in einen ſo ſchönen Geſang und ich wurde in den Wald hineingezogen... Ich lauſchte... ich folgte dem Geſang... es war ſicher⸗ lich eine Ruſſalka, die ſang; ſo kam ich in einen klei⸗ nen Thalgang. Ach, wie ſchön war es da und ſo voll von Blumen! Aber der Geſang verſtummte; ſtatt deſſen ſauste es ſo wunderlich in den Bäumen um mich her. Ach, beſte Mutter, Sie wiſſen, daß ich in der Nacht vor dem letzten Johannistag ſo glücklich war, trotz aller abweh⸗ renden Geſpenſter, ein prachtvolles blühendes Schlan⸗ gengras zu pflücken, und daß ich alſo früher oder ſpä⸗ ter alle verborgenen Schätze der Erde werde ſchauen dürfen.*) Ich glaubte auch, der Augenblick ſei jetzt ge⸗ gekommen.

*) Lechi's Aeußerung beruht auf einem ruſſiſchen Volksglauben, dem zufolge das Schlangengras nur eine einzige Nacht, nämlich in der Nacht vor