Teil eines Werkes 
5. bis 14. Bändchen (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ach, Ew. Hoheit, ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken ſoll.

Drucke Dich ganz einfach aus... ſie hatte für ein anderes Geſchöpf zu leben... wer war dieſes Ge⸗ ſchöpf... ich begreife nicht, was Du meinſt.

Die beiden Mädchen betrachteten einander. Alexan⸗ dra mit einem fragenden und verwunderten Blick, Willa⸗ now erröthend vor Verlegenheit.

Sie ſpürte, daß ſie... daß ſie...

Nun, was?

Daß ſie Mutter war, Ew. Hoheit.

Allmächtiger Gott!

Sie beſaß kein Recht mehr zu ſterben, Ew. Ho⸗ heit... ſie mußte leben... leben in einem Elend von unüberſehbarer Tiefe. Aber ich habe Etwas vergeſſen.

Was, Willanow?

Tarrakanow hatte einen Sklaven nach Italien mitgenommen.

Einen Sklaven?

Dieſen Sklaven hatte ſie von ihrem Vater be⸗ kommen.. Tarrakanow und der Sklave ſtanden in gleichem Alter, und da ſie ſich immer ſehr wohlwollend gegen ihn gezeigt, ſo widmete er ihr auch ſeine ganze Treue und Ergebenheit. Tarrakanow gab ihn auch frei, aber er wollte ſeine Freiheit nicht benützen, ſon⸗ dern blieb bei ihr. Dieſer Mann war eben ſo klug als rechtſchaffen. Als Fürſt Orlow in Rom die Prinzeſſin in die Liebe einleitete, die ſie in's Verderben fuͤhren ſollte, war er einer von denjenigen, die ſie zuerſt warnten. Er hotte nämlich von der Dienerſchaft Orlow's allerlei Geſchwätze gehört, aus dem er ſeine eigenen Schlüſſe zog. Da ſie jedoch alle Warnungen vor der Möglich⸗ keit eines Betrugs zurückwies, ſo bat er endlich um Ausſtellung des Freibriefes, den ſie ihm ſchon lange verſprochen hatte. Die Prinzeſſin gab ihm denſelben, und nun verließ er ſie, aber zu ihrer Verwunderung ſah ſie ihn bald wieder, jedoch nicht in ihrer Liyree, ſondern

22ͤ,,O

,