in ihre Augen, er drückte beruhigend ihre brennende Hand. Von dieſem Augenblick an würde Tarrakanow weit eher geglaubt haben, daß ein Wolkenzug alle Sterne vom Himmelsgewölke wegzufegen vermöchte, als daß der Morgenſtern, welchen die Liebe über der Welt ihre Her⸗ zen angezündet hatte, aufhören könnte.
Aber Orlow ging noch weiter. Er bat um Er⸗ laubniß, durch die Bande der Ehe ſeine Liebe heiligen zu dürfen, und mit wonnevoller Befriedigung willigte Tarrakanow ein, weil ſie ſah, daß Orlow und ſie nur als Gatten aus dem Bereich aller Verleumdungen kom⸗ men könnten. Die Hochzeit wurde beſchloſſen und die Zeit feſtgeſetzt. Die Trauungsceremonie wurde nach den Vorſchriften der griechiſchen Kirche verrichtet und es fehlte dabei weder an Prieſtern, noch an weltlichen Be⸗ amten.
Alexandra athmete tief.
— Sie vermählten ſich alſo dennoch? bemerkte ſie.
Dieſer Gedanke machte ihr Freude. Tarrakanow hatte alſo geliebt... auch ſie hatte geliebt wie Alexandra.
— Hören Sie mich zu Ende, verſetzte Willanow, und Sie werden erfahren, wie ein Verbrechen began⸗ gen wurde mit Beobachtung aller äußeren heiligen For⸗ men, wobei man die Religion nur als einen Deckmantel des ſchändlichſten Betrugs gebrauchte, der je an einem Weibe verübt worden.
Willanow wurde bei ihrer Erzählung beinahe hitzig und ſie fühlte ſich im höchſten Grad aufgeregt.
Alexandra antwortete nicht; ſie harrte nur begierig, der Fortſetzung entgegen.
— Tarrakanow war inzwiſchen vermählt, fuhr Wil⸗ lanow fort, ſie war glücklich. Warum hätte ſie es auch nicht ſein ſollen? Sie drückte ja den Gegenſtand ihrer erſten, ihrer einzigen Liebe an ihre Bruſt. Alle die⸗ jenigen, die ſte gewarnt hatten, geſtanden ihren Irrthum ein, die Verleumdung erſtarb: ſis beſaß keinen Stoff mehr. Tarrakanow ſtrahlte ſtolz und anmuthsvoll an


