Teil eines Werkes 
5. bis 14. Bändchen (1853)
Entstehung
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Die Warnungen währten inzwiſchen fort, und der einzige Kummer, den ſie um dieſe Zeit empfand, beſtand in ihnen, weil ſie einen Schatten auf den Mann warfen, von welchem ſie gleichwohl ihre Gedanken nicht mehr abzuwenden vermochte.

Eines Abends ſpazierten ſie am Strande der Tiber. Die Wogen zollten goldgelb zu ihren Füßen. Der Him⸗ mel ſtand klar unb rein über ihren Häuptern; die Sonne wärmte und der Wind koste ihre Wangen. Arm in Arm gingen ſie neben einander her. Sie ſprachen von ihrer Zukunft, von ihren Plänen, von ihrer Liebe. Tar⸗ rakanow hatte ſich nie glücklicher gefühlt. Orlow hatte ihr nie männlicher und liebenswürdiger geſchienen. Aber ohne ſeine Wolken war der Himmel der Prinzeſſin⸗ gleichwohl nicht. Die erhaltenen Warnungen bildeten dieſe Wolken. Wie ſehr machte ſie ſich's jetzt zum Vor⸗ wurf, daß ſie ihm nicht ſchon lange anvertraut hatte, welchen Argwohn man in ihr zu wecken ſuche! Gedacht, geſagt. Mit kindlicher Naivetät erzählte ſie ihm Alles. Orlow ſchien überraſcht, erzürnt, ergrimmt. Er rief Himmel und Erde zu Zeugen an; aber er bedurfte ſo hoher Zeugen nicht, um die Prinzeſſin von ſeiner Un⸗ ſchuld zu uberzeugen. In ihrem Innern hatte ſie nie an ihm gezweifelt.

Verzeih' mir, bat ſie, daß ich von dieſen Din⸗ gen da, die man mir einreden wollte, auch nur geſpro⸗ chen habe. Ich that es nicht aus Zweifel, ſondern ich that es, weil ich ein Geheimniß, wie dieſes, nicht länger zu tragen vermochte, weil ich gegen meine eigene Liebe unrecht zu handeln glaubte, wenn ich vor dem Gelieb⸗ ten Etwas geheim hielte. Meine Liebe wie meine Zu⸗ verſicht iſt unbegrenzt. Du könnteſt mich nie verrathen, könnteſt diejenige nicht verrathen, die Dich mehr liebt, als ſich ſelbſt, die nicht einen einzigen Gedanken beſttzt, der nicht ein Schatten Deines Gedankens, nicht ein einziges Gefühl, welches nicht ein Echo des deinigen wäre. Orlow verſicherte ſie ſeiner Liebe; er blickte tröſtend