Alexandra's Ungeduld war auf's Aeußerſte geſtei⸗ gert und kannte keine Grenzen.
— Orlow kam an, ſagteſt Du, weiter, weiter!
— Furſt Orlow war einer der kräftigſten und ſchön⸗ ſten Männer ſeiner Zeit, eine Heldenfigur, auf deren Stirne und in deren Blick Kühnheit und Muth ſtrahl⸗ ten. Indem er einen glanzvollen, mächtigen Thron der Prinzeſſin als erreichbar darſtellte, belebte er ihre Seele und gab ihren Gedanken einen höheren Flug, als ſie je zuvor gehabt hatte, während er zu gleicher Zeit ihre Sinne mit dem Zauberſtab der Liebe einnahm und ihr Herz mit lieblichen, ſanften, verführeriſchen Worten er⸗ oberte.
Während Willanow ihre Erzählung fortſetzte, ſchwand ein Blutstropfen um den andern aus Alexan⸗ dra's Wangen. Die Prinzeſſin hatte ſich bis jetzt nur ſchöne, beſeligende, ſchwärmeriſch bezaubernde Begriffe von der Liebe gemacht, und es war ihr nie eingefallen, ernſtlich daran zu denken, daß irgend ein Menſch dieſes himmliſchſte aller Gefühle als Maske für einen kecken und ſchamloſen Betrug benützen könnte. Sie erblaßte daher immer mehr bei den Gedanken, die jetzt in ihr auf⸗ tauchten und auf einmal ſo viele ihrer Illuſtonen ver⸗ ſcheuchten. Ohne daß ſie es ſelbſt bemerkte, begann ſie Parallelen zwiſchen ſich und Tarrakanow zu ziehen, in deren Schickſale ſie ſich mit unheimlichem Schreck all⸗ mälig hinein verſetzte, als wären es ihre eigenen Schickſale.
— Orlow, fuhr Willanow fort, betrieb dreiſt ſei⸗ nen Plan, und in Rom begann man allgemein von einer Vermählung der Prinzeſſin Tarrakanow zu ſpre⸗ chen. Sie erhielt allerdings von mehreren Seiten War⸗ nungen, weil Orlow bekannt war, aber das arme Mäd⸗ chen konnte an keinen Verrath glauben. Sie liebte„.. ſie liebte zum erſten Mal.
Alexandra drückte erſchrocken die Hand an ihre klopfende Bruſt. Die Erzählung zerfleiſchte ihr Herz.


