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Als ich mich entfernte, warf ich noch einen Blick zurück und ſah jetzt aus der Thüre in die inneren Zim⸗ mer eine verſchleierte Dame voreilen. Es war Marfa.
Auf eine bedeutungsvolle Art, die mir zu Herzen ging,
ſtreckte ſie die Arme gegen mich aus. Darauf blieb ſie bei der Leiche meines Bruders ſtehen, und ich ſah, wie ſie mit einer Anſtrengung, die ihre Kräfte zu überſteigen ſchien, ihn aufhob und wegtrug.
— Arme, arme Willanow, ſeufzte Alexandra, die ihre Gefühle nicht länger zu unterdrücken vermochte. Jetzt verſtehe ich all Deinen Kummer.
— Orlow folgte mir. Tags darauf ſetzte man mich in einen Wagen und ich wurde hieher nach Petersburg geſandt. 5
— Welche ſchreckliche Schickſale haſt Du nicht durchgemacht!
— Meine Eltern wurden nach Sibirien verbannt. Ich habe ſie nie wieder geſehen.
Willanow verſank einen Augenblick in ſich ſelbſt. Mit ihren Gedanken flog ſie weithin über die unermeß⸗ lichen Ländereien weg, welche ſie von ihren Geliebten trennten. Alexandra beugte ſich gegen die Freundin vor und drückte ihren Kopf koſend an ihre Bruſt.
— Und Du glaubſt, daß Orlow die eigentliche Ur⸗ ſache dieſes unerhörten Ungluͤckes geweſen ſey?
— Ich kann es nicht ſagen... aber was Woro⸗ witſch der Kaiſerin erklärte...
— Worowitſch, ja. Es iſt wahr... Wer iſt Wo⸗ rowitſch.. Du kennſt alſo auch ihn?
Willanow zog ſich bei dieſer Frage langſam von der Prinzeſſin zuruͤck. Sie hatte ſich verredet.
— Worowitſch... ſtammelte ſie.
— Wer iſt er? Du weißt es.
— Ja, Ew. Hoheit, ich weiß es, aber...
— Aber?
Die Verlegenheit in Willanow's Stimme zeigte an,


