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Siegern hinausbegeben. Ein Bote meldete uns, daß er verhaftet worden ſei. Meine Mutter eilte, auf den Knieen den Feldherrn für ihn anzuflehen; aber ein neuer Bote meldete uns auch ihre Verhaftung. Auch ich wollte hinaus eilen, um meine Eltern zu befreien oder ihr Schickſal zu theilen; aber in dieſem Augen⸗ blick langte mein Bruder an. Wir hatten uns mehrere Jahre nicht geſehen. Mit einem Ausruf ſanken wir einander in die Arme. Marfa, die jetzt unſere einzige Stütze war, verlangte, wir ſollten uns bereit halten, zu fliehen. Mein Bruder theilte ihre Anſicht. Marfa ſelbſt begab ſich in ihre Zimmer, um die eine und an⸗ dere Anordnung zu treffen, die ſie für unſer Entkommen wichtig glaubte. Inzwiſchen beſetzte eine ruſſiſche Trup⸗ penabtheilung unſer Haus. Drohungen und Flüche, wilde Geſänge und kannibaliſcher Lärm ertönten von allen Seiten her. Die von Freude berauſchten Sieger griffen mich auf beleidigende Art an. Mein Bruder zieht ſein Schwert zu meiner Vertheidigung. Unter meinen Augen entſteht ein Kampf, wobei einer der Feinde nicht bloß ſein Gewehr auf ihn abfeuert, ſondern ihn auch mit dem Bajonnet angreift. Mein Bruder ſtürzt. Sein vom Schmerz verzerrtes Geſicht verbergend, ſtößt er ſeinen letzten Seufzer aus. Ich kniete an ſeiner Leiche nieder.
Eine gewiſſe fieberhafte Spannung hatte Willanow ergriffen, während ſie ſprach. Alexandra hörte ſie mit derſelben Fieberhaftigkeit an.
— Als ich wieder zu mir kam, ſtand meines Vaters Schreiber an meiner Seite. Ich hatte den Argwohn gegen ihn vergeſſen und fuhr raſch auf, um ſeine Hülfe anzurufen.
— Wer iſt der Todte hier? fragte er mich, auf meinen Bruder deutend..
„— Ich ſagte ihm, wer er war, und erneuerte meine Bitte um Hulfe. — Verhaftet ſie, befahl er.


