Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1852)
Entstehung
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Aber ich verſtehe nicht...

Ew. Hoheit verſtehen nicht, was ſie dazu ver⸗ anlaſſen konnte?

Wie Du ſagſt, Willanow, ich verſtehe das nicht.

Marfa hatte ihre Gründe, aber wir wollen ſpäter davon ſprechen.

Gut. Fahre jetzt in Deiner Erzählung fort.

Bald darauf, Ew. Hoheit, lief die Nachricht ein, daß man in Krakau Kosciusko zum General der polniſchen Armee erwählt habe, welche indeß damals nicht mehr als eiwas über 4000 Mann zählte. Zu gleicher Zeit wurde die Inſurrektionsakte bekannt ge⸗ macht, und einige Hundert mit Senſen bewaffnete Bauern vereinigten ſich mit der Armee. Bald trafen die Heere auf einander, und nach hartnäckigem Kampf beſiegte Kosciusko 7000 Ruſſen, die er in die Flucht ſchlug. In dieſer Schlacht wurde mein Bruder auf dem Schlacht⸗ felde mit einem Militärorden dekorirt, und mit Thränen in den Augen laſen wir von den Proben der Tapfer⸗ keit, die er abgelegt. Aber unſere Freude ſollte ein ſchreckliches Ende nehmen.

Ein Seufzer hob Willanow's Bruſt und Alexandra drückte mit zärtlicher Theilnahme ihre Hand.

Kosciusko's Erfolg, fuhr ſie inzwiſchen fort, war in Warſchau kaum bekannt geworden, als der ruſ⸗ ſiſche Oberbefehlshaber in der Stadt, Igelſtröm, alle diejenigen verhaften ließ, von denen er vermuthete, daß ſite den Inſurgenten anhingen.

Da mein Bruder am Kriege thätigen Antheil nahm, ſo waren auch wir verdächtig. Mein Vater wurde verhaftet. Meine Mutter und ich wollten nicht von ſeiner Seite weichen; aber meine Eltern befahlen mir, bei Marfa zu bleiben.

Ich gehorchte.

Als meine Mutter und mein Vater weggeführt wurden, vergoß ich blutige Thränen.

Willanow vermochte kaum ihre Erzählung fortzu⸗