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mein Vater auf einen Stuhl, gewann aber bald wieder Ruhe und Kraft. 4
— Barmherziger Gott! rief er dann, ich lege das Schickſal meines Vaterlandes und mein eigenes in Deine Hände. Ich bin mir bewußt, für eine gute Sache und in guten Abſichten gearbeitet zu haben. Vor Dir, Du Allwiſſender, bin ich unſchuldig an dem Ver⸗ derben, dem wir jetzt entgegengehen, unſchuldig an dem Blute, das jetzt fließen wird. Magſt Du mich richten!
Wir ſanken meinem Vater an die Bruſt. Wie würdevoll und edel erſchien er uns nicht! wie innig liebten wir ihn nicht!
Als mein Vater hierauf nach ſeinem Schreiber ſchickte, befand er ſich nicht mehr im Hauſe. Er war verſchmunpen⸗ Dieſer Umſtand beſtätigte Marfa's Ver⸗
acht.
Die Prinzeſſin hörte Willanow mit ſteigendem In⸗ tereſſe an: aber ſie hielt ſich an einer einzigen Sache feſt.
— Orlow, ſiel ſie jetzt ein, Graf Orlow... iſt das derſelbe Orlow, der jetzt der Kaiſerin ſo nahe ſteht?
— Es iſt derſelbe, Ew. Hoheit.
— Aber in welchem Verhältniß kann Marfa zu ihm geſtanden haben?
— Das iſt eine andere Geſchichte, Hoheit. Ich weiß nur ſo viel beſtimmt. daß Marfa, ſo lange er ſich in meines Vaters Hauſe aufhielt, den größten Abſcheu vor ihm zeigte.
— Aber wenn ſie mit einander zuſammentrafen, wie behandelten ſie einander da?
— Sie trafen nie zuſammen, Ew. Hoheit. Ich
ſagte ſo eben, daß Marfa während unſers Aufenthaltes in Warſchau ganz eingezogen lebte. Als ſie zufällig und ohne ſelbſt von Orlow bemerkt worden zu ſein, entdeckt hatte, daß er ſich unter einer Vermummung bei meinem Vater eingeſchlichen, wurde ſie noch zuruͤckge⸗ zogener. Sie verabſcheute ihn nicht bloß, ſie ſchien ihn auch zu fürchten.


