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der letzten ſchönen Stunden, die ich unter denjenigen zubrachte, welche ich ſo innig liebte. Auf einmal öͤff⸗
nete ſich die Thüre und mein Vater ſtürzte bleich und
verwirrt herein.
— Allles iſt verloren! rief er. 4
Bebend ſammelten wir uns um ihn.
— Ihr wißt, fuhr mein Vater fort, daß ich die beſten Hoffnungen für die ruhige und ſelbſtſtändige Zu⸗ zunft Polens hatte; aber jetzt ſind dieſe Hoffnungen ahin.
Wir baten ihn um Aufklärung.
— Alle meine Pläne ſind über den Haufen gewor⸗ fen, ſagte er; Kosciusko, Zajonezek, Kolontai und Potocki ſind aus dem Ausland zurückgekehrt und befin⸗ den ſich bereits in Krakau, das bedeutet Krieg...
rieg...
Wir zitterten vor Furcht bei dieſem Worte.
— Auch mein Sohn iſt gegen meinen Willen zurück⸗ gekommen, und auch er iſt jetzt in Krakau.
Mein Vater konnte kaum ſprechen, ſo aufgeregt war er.
— Man hat mich betrogen, erzählte er jedoch wei⸗ ter; die Correſpondenz, worin ich mit der Kriegspartei ſtand, enthält ganz andere Verſprechungen. Woher kommt dieſer Betrug? Die Tagespoſt meldet mir, daß die Abſichten verändert worden ſind. Wer hat ſie ver⸗ ändert? Der Plan iſt klar, Rußland will einen neuen Aufruhr hervorrufen, damit es einen Vorwand bekommt, uns alle zuſammen niederzumachen.
Als einen Beweis des Betrugs zeigte mein Vater uns einen Brief von meinem Bruder, worin dieſer mit der Lebhaftigkeit eines Jünglings ſeinen freudigen Dank dafür abſtattete, daß er ihn in die Heimath zurückge⸗ rufen und ermahnt habe, bis zum letzten Augenblick für das Vaterland zu kämpfen.
Mein Vater hatte gleichwohl meinem Bruder nie etwas von dieſer Art geſchrieben.
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