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ſich und wurde angenommen. Mit ihm trat das Un⸗ glück in unſer Haus.
— Mit ihm,... mit einem Schreiber?...
— Ew. Hoheit werden erfahren, wer dieſer Mann war. Als wir nach Warſchau kamen, nahm Marfa an unſerem geſellſchaftlichen Leben weniger Antheil als früher. Sie lebte beinahe wie eine Nonne in ihren Zimmern. Ob ſie beſondere Gründe für dieſe einge⸗ zogene Lebensart hatte, weiß ich nicht. Aber eines Tags... mein Vater hatte ſich damals bereits einige Monate ſeines neuen Schreibers bedient... warnte ſie meinen Vater vor dieſem Manne, den ſie zufällig von ihren Fenſtern aus geſehen hatte, ſie ſagte, ſie kenne ihn ſchon ſeit vielen Jahren, er ſei ein verkleideter Ruſſe und könne keine guten Abſichten haben. Aber mein Vater hatte ſich bereits an ihn gewöhnt, und bei ſeinen ſtrengen Begriffen von Ehre und Redlichkeit, ließ er ſich von keiner Heimtücke überzeugen. Marfa's drin⸗ gende Bitten blieben vergeblich, und mein Vater wurde in ſeinem Benehmen dadurch beſtärkt, daß Marfa den wahren Namen des Mannes nicht angeben wollte, was unläugbar auch ſehr ſonderbar war und zu beweiſen ſchien, daß ſie ihrer Sache nicht ganz ſicher ſei.
— Aber wer war denn dieſer Mann? War er wirklich ein verkleideter Ruſſe?
— Der Gang der CEreigniſſe wird die Frage Ew. Hoheit bald beantworten. Mehr als einmal höͤrte ich jetzt meinen Vater ſeine Freude darüber ausſprechen, daß Polens Schickſal ſich, wie er meinte, friedlich ent⸗ wickeln würde.
— Und gleichwohl...
—=⁄ Eines Abends— ich erinnere mich der Sache in dieſem Augenblicke ſo genau— ſaßen wir in unſerm kleinen Kreiſe: meine Mutter, Marfa und ich. Meine Mutter und Marfa beſchäftigten ſich mit einer Nähar⸗ beit, und ich las eines der vaterländiſchen Gedichte des tapfern und talentvollen Niemscewicz. Es war eine


