Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

262

habe, mit ſo manchen unausgemittelten, dunkeln und myſtiſchen Umſtänden verbunden war, daß ich ſie, un⸗ geachtet ich ſie liebte, gleichwohl niemals recht verſtanden habe. Ich glaube beinahe, ja, Ew. Hoheit, ich bin ſogar vollkommen überzeugt, daß einige große Unglücks⸗ fälle tief in ihr früheſtes Leben eingegriffen haben, weil

arfa von ſich und ihrer Freundin Wanja immer mit einer Vorſicht ſprach, die mir oft ungemein auffiel, weil ſie zwar viel andeutete, aber nichts beſtimmt erklärte. Im Uebrigen erwieſen meine Eltern Marfa eine an Verehrung grenzende Achtung; im Anfang dachte ich natürlich nicht darüber nach, aber ſpäter habe ich es mitunter gethan, und Ew. Hoheit Bemerkung iſt auch nicht ohne Bedeutung, denn es iſt immerhin ſonderbar, daß eine Dame in ihrer damaligen äußern Stellung keinen andern Namen als Marfa gehabt haben ſollte.

Das meine ich auch.

Soviel weiß ich beſtimmt, fuhr Willanow fort, daß Marfa das unbedingte Vertrauen meiner Eltern beſaß, und daß ſie ſich, wie es ſchien, ausſchließlich mit mir wie auch mit meinem Bruder beſchäftigte, den ſie beinahe eben ſo ſehr liebte wie mich. Aber jetzt erinnere ich mich gleichwohl an einen andern Umſtand, der... doch es iſt wahr, das gehört nicht hieher.

Warum nicht... Du darfſt Dich nicht unter⸗ PBrechen... erzähle Alles, was Oir in den Sinn kommt, Willanow.

Ich wollte ſagen, daß Marfa, ſo heiter und freundlich ſie ſonſt war, dennoch Stunden hatte, wo eine tiefe Schwermuth ſte beherrſchte. Aus dem, was man um mich her ſagte... ich war damals bereits kein Kind mehr.. erſah ich, daß Wanja ein herumreiſen⸗ des Leben führte, und ich bemerkte, daß Marfa jedes⸗ mal, wenn ſie einen Brief von ihrer Freundin erhielt, mit der ſie in beſtändiger Correſpondenz ſtand, ſich in ihr Zimmer einſchloß, als wollte ſie Niemand den Kum⸗ mer zeigen, der ſie erfaßte. Ich erinnere mich nicht