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aus ſie ihre Stellung überſchauen und eine beſtimmte Richtung für ihre Handlungsweiſe finden konnte.
Stille muſterte ſie jetzt noch einmal alle ihre Er⸗ lebniſſe von heute. Aber wie ſie dabei zu Werke ging, ſo waren es nicht ihre eigenen Gefahren, über die ſie nachſann, ſondern ſolche, von denen ſie Worowitſch be⸗ droht glaubte. Nichts kann uneigennütziger ſein, als das Herz eines jungen Mädchens. Orlow, deſſen Liebe ſich nicht entblödete, ſich mit allen Waffen des Haſſes auszurüſten, um ſie ſich zu unterwerfen, erſchien ihr nicht um ihrer ſelbſt willen furchtbar, wenn ſie auch einen Augenblick vor ihm ſchauderte, ſondern ſie fürch⸗ tete ihn um Worowitſch's willen, weil ſie geſehen hatte, wie ſeine Augen bei Worowitſch's Erklärung vor der Kaiſerin zornig brannten. Andere beflügelte, flüchtig ſchimmernde Gedanken, Gedanken, wie ſie in glücklichen Stunden an der Seele des Dichters vorbeifliegen, flogen auch an der ihrigen vorbei, wenn ſie ſich an Döring erinnerte, der ſo aufopfernd und uneigennützig, nur von ſeiner Redlichkeit und ſeinen Gefühlen geleitet, ihnen zu Hülfe gekommen war.
Aber ſie erſchrak, während ſie ſo an Döring dachte, weil auf einmal Orlow düſter und finſter auch an ſeiner Seite ſtand, und unwillkürlich drängte ſich ihr die Frage auf, ob es edel gehandelt wäre, ihn in ein Geheimniß Pineinzuziehen, das möglicher Weiſe auch ihn zermalmen
önnte.
Auch ihn? Sie ſuchte eine Antwort auf dieſe Frage, un wo konnte ſie eine ſolche finden? Nur in ihrem
erzen.
Wie auf einer Jakobsleiter, umgeben von ſchwär⸗ meriſchen Träumen, ſtieg ihre Seele in daſſelbe hinab, um aus ſeiner Tiefe die Antwort zu holen. Wie jedoch dieſe Antwort lautete, das wurde nicht einmal durch einen Seufzer verrathen, aber ihre Wangen erblaßten dabei. Da kam Alexandra mit ihrer freundlichen Ver⸗ ſicherung ungetheilter Aufrichtigkeit, und ſie lauſchte ihr,


