Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1852)
Entstehung
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Rußland iſt, ſo wie es jetzt daſteht, ein gigantiſcher Abkömmling Peter's I. als ſeines Vaters und Katha⸗ rina's als ſeiner Mutter. Sein politiſches Syſtem ent⸗ lehnt auch von dem erſteren ſeine kühne, vorherrſchende, beſtändig in derſelben Richtung vorangehende Charakter⸗ feſtigkeit, und von der letzteren die feine, ſchlaue, all⸗ zeit egoiſtiſche und intriguirende Erfindſamkeit, womit es ſo oft ſeine Feinde verblendet hat.

Katharina hatte mehrere weitausſehende Kriege, mehr als irgend ein ruſſiſcher Monarch vor ihr, zu Ende geführt, Kriege, worin nicht bloß ihre Waffen Lorbeeren geerntet, ſon⸗ dern auch ihre Politik ſich ſiegreich erwieſen hatte. Aber nicht genug damit, vor den Augen der europäiſchen Völker war die Theilung Polens vor ſich gegangen, und noch ertönten die letzten Seufzer dieſes Reichs um ihren Thron her. In die große Kriſts, welche die franzöſiſche Revolution hervorrief, hatte ſie die meiſten Regenten zu verwickeln gewußt, ungeachtet ſie ſelbſt noch nicht einen einzigen Schritt gethan, und als ſie ſah, wie die Andern ihre Kräfte erſchöpften, während das Ziel eher in die Ferne als in die Nähe rückte; als ſie ſah, wie Einer um den Andern durch den Gang der Ereigniſſe in eine Art gezwungener Vaſallenſchaft ihr ſelbſt gegen⸗ über getrieben wurde, da betrachtete ſie ſich als eine von der Vorſehung begünſtigte Richterin über Europa, und zu gleicher Zeit glaubte ſie auch, die Eroberung Aſtens wieder vornehmen und den Gedanken an ein orientaliſches Reich in's Werk ſetzen zu können.

Bei allem dem vergaß ſie auch Schweden nicht.

Katharina, die nur dann, wenn ihre Nachbarn ſich unterwürfig zeigten, in Frieden mit ihnen leben konnte, ſuchte nach Mitteln, um in Schweden ihren durch Guſtav's III. Genie verringerten alten Einfluß zu er⸗ neuern, und zwar, wie man annehmen zu können glaubte, in der Abſicht, auf ſkandinaviſchem Boden ein Gegenſtück von Polens Theilung aufzuführen.