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In das Ende des Junimonats fällt der Peter⸗ und Pauls⸗Tag, und die Kaiſerin Katharina II. ließ einen ſolchen für ihre Familie ſo wichtigen Tag nicht gerne voruͤbergehen, ohne ihn auf's Feſtlichſte zu feiern.
Das Feſt, dem man mit Recht einen der erſten Plätze in der Welt der Vergnügungen anweiſen konnte, weil es in einem auf wahrhaft gigantiſchem Fuß ange⸗ legten Maskenzug beſtand, wobei das Publikum freien Zutritt hatte, fand in Petershof ſtatt, wo das Schloß, der Park und die Umgebung zauberhaft geſchmückt und dem Publikum überlaſſen waren.
Der Ruſſe iſt von Natur fröhlich, ſanftmüthig und unterwürfig. Er hat nicht klagen gelernt, weil er weiß, daß er das nicht thun darf, und deßhalb überläßt er ſich um ſo lieber den Genüſſen des Augenblicks. Im Tanz vergißt er die Bekümmerniſſe des Lebens, im Ge⸗ ſang haucht er die geheimen Qualen ſeines Herzens wie einen Seufzer in dem Winde aus, und die Sorgen, deren er auf dieſe Art ſich nicht zu entſchlagen vermag, erſäuft er im Glaſe. Durch ſein ganzes Leben geht ein Ton aſiatiſcher Sorgloſigkeit, welcher macht, daß er den Gefahren und dem Unglück nicht bloß mit geſchloſ⸗ ſenen Augen, ſondern auch mit ergebungsvollen Be⸗ kreuzungen, den Genüſſen und Vergnügungen des Lebens, aber mit offenen Armen und offenem Blicke entgegentritt.
Die ganze genußſüchtige Bevölkerung eilte daher auch zu dieſem Feſte hinaus.
Schon am frühen Morgen begann die Straße, die von der Hauptſtadt aus an Strelna vorbei nach Peters⸗ hof führt, von Equipagen, Reitern und Fußgängern zu wimmeln. Eine buntere Schaar konnte man ſich nicht denken. Die Menſchenmaſſe ſchlängelte ſich die Chauſſee entlang, wie ein in verſchiedenen Formen und Farben wechſelndes Ungeheuer. Wenn man dieſe Haufen be⸗ trachtete, hätte man glauben können, all' die verſchiede⸗ nen Länder und Reiche der ungeheuren Monarchie hätten ſich beeifert, wenigſtens durch einige Vertreter


