Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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ſtalt um den Kopf genommen und auf der Bruſt feſt gehalten, daß blos das Geſicht wie bei einer Kapuze ſichtbar iſt. Uebrigens ſchmücken ſich beide Geſchlech⸗ ter gern mit Sachen von Gold, das bei den niedrigen Volksklaſſen eine Haupt⸗ zierde ausmacht. Die Männer haben goldene Uhrketten, Finger⸗ und auch Ohr⸗ ringe, und an den Weſten Knöpfe von feinem Golddraht, dergleichen überhaupt in Malta bei Perſonen von allen Ständen und Nationen gewöhnlich ſind.

Die übrigen Sitten und Gebräuche ſind mit denen im nahen Sieilien ſehr verwandt; doch findet man im Hausweſen ungleich mehr Ordnung und Reinlich⸗ keit. Was oftmals mein Mißfallen erregte, war die in den Backhäuſern herr⸗ ſchende Gewohnheit, den Teig mit den Füßen zu kneten, die auch den Engländern Veranlaſſung gab, einige ſieiliſche Bäckerfnach Malta kommen zu laſſen, welche, wie ich ſchon anderwärts erwähnt habe, mit der Arbeit ſehr reinlich umgehen.

Von der Peſt, die im Jahr 1813 Malta verheert hatte, war bei meinem dortigen Aufenthalte, wovon hier die Rede iſt, jede Spur verſchwunden, außer daß man hier und da Leute mit auffallenden, von Peſtbeulen zurückgelaſſenen Verunſtaltungen der Haut ſah. Die Volksmenge war wieder ſo zahlreich als vorrher; denn bald nach dem Aufhören der Seuche hatten ſich viele Einwohner der benachbarten Inſeln Gozo und Comino, und ſeit der Wiederherſtellung des allgemeinen Friedens auch viele Ausländer dahin gewendet.

In Valetta herrſchte ein außerordentlich lebhafter Verkehr unter Menſchen aus faſt allen Ländern. Dies und die ſchönen, im engliſchen Geſchmack einge⸗ richteten Kaufläden, die des Abends glänzend erleuchtet waren, ſo wie der mit vortrefflichen Lebensmitteln angefüllte Marktplatz, und die zierlich aufgeputzten Kaffeehäuſer, beſonders einige türkiſche, die noch überdies vor der Thür mit Matten belegt waren, worauf Gruppen von Muſelmännern in ihrer pracht⸗ vollen orientaliſchen Tracht und mit ihren eigenthümlichen Gewohnheiten ſich darſtellten, dies alles gewährte mir eine ſehr angenehme Unterhaltung. Dazu kamen während der Carnevalszeit noch die öffentlichen Maskeraden, die denen in Meſſina zwar an Menge, aber nicht an der fröhlichen Laune und dem verſchwenderiſchen Aufwande der Theilnehmer nachſtanden.

Zu den beſondern Gegenſtänden, die mir in Malta beim erſten Anblick ſehr auffielen, gehörten die vielen Geiſtlichen mit ſchwarzen Talaren und großen, auf zwei Seiten aufgekrämpten, weißen Filzhüten, ſo wie die alten Herren in der Tracht des vorigen Jahrhunderts, mit dreieckigen Hüten, gekräuſeltem Haar und Haarbeuteln oder Zöpfen, mit engen, bis auf die Ferſen herabgehenden Fracks, kurzen Beinkleidern, ſeidenen Strümpfen, großen Schuhſchnallen u. ſ. w. die Ueberreſte der malteſer Ritterſchaft. Eben ſo ſonderbar fand ich die Kutſchen; man denke ſich zweiſitzige, meiſtens mit Glasſcheiben verſehene, aber