Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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eigentlich nichts als eine Gelehrtenſchule, wo einige höhere Wiſſenſchaften ziem⸗ lich mangelhaft vorgetragen werden; ſie hat eine unzweckmäßige Einrichtung, und wird auch wenig beſucht. Alle Unterrichtsanſtalten werden von den Geiſt⸗ lichen geleitet, und wie es um die Gelehrſamkeit dieſer Männer ſteht, oder wie wenig ihnen an der Aufklärung des Volkes gelegen iſt, dürfte folgendes Bei⸗ ſpiel zur Genüge beweiſen. In einer zahlreichen Geſellſchaft hörte ich einen ſolchen Geiſtlichen zu einer angeſehenen Dame ſagen:Aber, Signora, wie können ſie ſich eine ſolche Verſündigung an der heiligen Dreieinigkeit zu Schul⸗ den kommen laſſen, Strümpfe von dreidrähtigem Garn zu ſtricken? Hierauf folgte eine lange Strafpredigt über ihre Unbedachtſamkeit. Die Malteſer ſind ſehr bigot, worin ſie die Sieilier noch weit übertreffen. In jeder Familie ſpielt der Beichtvater eine wichtige Rolle; er iſt der tägliche Geſellſchafter und Rathgeber, und ſeine Urtheile gelten in allen Fällen für Orakel.

Die höhern und mittlern Stände ſprechen meiſtens italieniſch. Die Män⸗ ner kleiden ſich nach der engliſchen Mode, dagegen die Frauen, die an ihrer alten Nationaltracht hängen, öffentlich in Kleidern von ſchwarzer Seite, und mit einer Kopfbedeckung erſcheinen, die ich weiter unten beſchreiben will. Im Uebrigen entſpricht die Lebensweiſe der italieniſchen.

Die niedrigen Volksklaſſen ſprechen die in den übrigen Theilen des Eilan⸗ des herrſchende Sprache, ein verdorbenes, mit griechiſchen, italieniſchen und andern Wörtern vermiſchtes Arabiſch. Die Männer tragen ihr ſtarkes ſchwar⸗ zes Haar faſt bis auf die Schultern herabhängend, über der Stirn jedoch kurz abgeſchnitten. Ihre Kleidung beſteht in blau und weiß geſtreiften baumwolle⸗ nen Hemden, in Jacken, Weſten, langen Beinkleidern und Leibbinden von ſtar⸗ kem blauem oder blau und weiß geſtreiftem baumwollenen Zeuge. An den Weſten befinden ſich große und ſchwere, mit Schellen geformte, ſilberne Knöpfe, die man nach Belieben anmachen und abnehmen kann. Den Kopf bedeckt eine blau und weiß geſtreifte Zipfelmütze, die geſtrickt oder gewirkt iſt. Die Matroſen haben, wie alle Seeleute des Mittelmeeres, rothe wol⸗ lene Leibbinden und rothe oder braune wollene Mützen. Das weibliche Ge⸗ ſchlecht pflegt das Kopfhaar in zwei Zöpfe zu flechten, und mit einer großen ſilbernen Nadel auf eine beſondere Art aufzuſtecken. Es trägt Röcke, Schürzen, Mieder, Corſets u. ſ. w. von demſelben Stoffe, wovon die männlichen Klei⸗ dungsſtücke verfertigt ſind. An feſtlichen Tagen zieht man Hemden von weißem Kattun an. Die Männer tragen Beinkleider und Jacken von ſchwarzem oder ſtahlgrünem Sammet, die Frauen Corſets und Röcke von ſchwarzer Seide, und die den Malteſerinnen eigenthümliche Kopfbedeckung. Es wird nämlich ein Stück ſchwarzes Seidenzeug, welches einer faltigen Schürze gleicht, derge⸗