Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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und Levante iſt, hauptſächlich im Handel. Auch treibt ſie beträchtliche Schiff⸗ fahrt, die nicht blos über das Mittelmeer und die angrenzenden Gewäſſer, ſon⸗ dern auch bis nach Amerika, Weſt⸗ und Oſtindien ſich ausdehnt. Uebrigens findet man die gewöhnlichen Handwerker, und Viele, die ſich mit der Baum⸗ wollweberei, mit der Verfertigung von Uhren, oder feiner Gold⸗ und Silber⸗ arbeit beſchäftigen. Fabriken ſind nicht vorhanden.

Die Bevölkerung von Valetta nebſt den dazu gehörigen Städten beläuft ſich auf 50,000 Seelen. Faſt die Hälfte derſelben beſteht in Ausländern, meiſtens Italienern, Engländern, Griechen, Türken, Aegyptiern und Barba⸗ resken. Alle dieſe Leute leben nach ihrer vaterländiſchen Weiſe; doch ſind im Ganzen die Sitten der Italiener vorherrſchend.

Die Eingebornen, ein Gemiſch von Ureinwohnern, Puniern und Ara⸗ bern, ſind ein kräftiges und wohlgeſtaltetes Volk, mit einer ausdrucksvollen und regelmäßigen Geſichtsbildung. Ihre Gemüthsart bezeichnen Feſtigkeit und Ernſt, aber auch etwas Finſteres und Verſtecktes, obwohl man ihnen weder Treuloſigkeit und Betrüglichkeit zuſchreiben, noch Mitleid, Behülf⸗ lichkeit und andere Tugenden abſprechen kann. Beſonders ſind ſie mit einer warmen Vaterlandsliebe beſeelt; daher ihre kleine Felſeninſel in vielen malte⸗ ſiſchen Volksliedernil fior del mondo(die Blume der Welt) genannt wird. Auch leben ſie ſehr nüchtern und mäßig,, und beſitzen eine außerordentliche Thätigkeit, Gewandtheit und Betriebſamkeit. Von dieſer letztern Eigenſchaft erhält der Fremde hinreichend Gelegenheit ſich zu überzeugen, und ſie fällt ihm oftmals läſtig. Von jedem Handwerker, Krämer oder Fruchthändler, wo er vorüber kommt, wird er gefragt, was ihm gefällig iſt. Kauft er etwas, ſo drängt ſich augenblicklich eine Schaar kleiner Jungen mit Handkörben herzu, die das Gekaufte, ſelbſt wenn es die unbedeutendſte Kleinigkeit iſt, zu tragen ſich erbieten. Kommt er an einen Kai im Hafen, ſo beſtürmen ihn die Kahn⸗ leute, ſich fahren zu laſſen, und kurz, allenthalben ſtößt man auf arbeitsluſtige und Erwerb ſuchende Menſchen. Meine größte Bewunderung erregten oft die unermüdlichen Laſtträger, wenn ſie, mit anderthalb bis zwei Centnern auf der Schulter, vom Schweiße triefend, flüchtig dahin trabten, oder wenn vier ſolche Männer, mittels zwei kreuzweiſe über einander gelegter Stangen, große Fäſſer oder Ballen von zehn und mehr Centnern trugen. Die Frauen ſind ſehr regſam in der Beſorgung des Hausweſens; nebenbei ſpinnen die meiſten Baum⸗ wolle und weben Zeuge daraus, wo nicht zum Verkauf, doch um ſich und den Ihrigen die nöthigen Kleidungsſtücke zu verſchaffen.

Die Malteſer beſitzen viel Verſtandeskräfte; gleichwohl ſind ſie in ihrer geiſtigen Bildung noch weit zurück. Die Univerſität, wie man ſie nennt, iſt