Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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der Polizei ausgefertigten Verkaufszettel aufgeſteckt haben. Uebrigens war in Corfu faſt Alles, was man wünſchte, zu bekommen.

Corfu iſt nicht blos die Hauptſtadt der Inſel, ſondern auch des ioniſchen Staates, daher der Sitz des britiſchen Lord⸗Oberkommiſſärs, der geſetzgeben⸗ den Verſammlung, des Senats und oberſten Gerichtshofes. Uebrigens hat dieſe Stadt ihre eigene Regierung, ihr Civil⸗, Criminal⸗ und Handelsgericht, nebſt einigen untergeordneten Behörden. Sie iſt ferner der Sitz eines katho⸗ liſchen Erzbiſchofs, eines griechiſchen Protopapas und eines zahlreichen Adels. Auch beſitzt ſie ein Lyceum, und hat neuerlich eine Univerſität erhalten.

Die Einwohner, deren Anzahl im Jahre 1815 ſich auf 16,000 belief, bekennen ſich größten Theils zur griechiſchen Kirche; nur etwa drittehalb tauſend, meiſtens Italiener, oder ſolche, die davon abſtammen, ſind Katholiken. Doch gibt es über viertauſend Juden. Die herrſchende Sprache der höhern und mittlern Stände iſt die italieniſche, und blos das gemeine Volk ſpricht neu⸗ griechiſch. Die Sitten und Gebräuche ſtimmen durchgehends mit denen in Italien überein, was ſich auch dadurch offenbart, daß in den Caſino's Herren und Damen zuſammen kommen, und ſich bei einer Taſſe Kaffee oder einem Glaſe Gefrorenen, bis in die ſpäte Nacht mit einander unterhalten. Die Auf⸗ klärung ſteht im Allgemeinen auf einer niedrigen Stufe. Obſchon für die Bildung der Söhne wohlhabender Familien geſorgt iſt, ſo gibt es doch für die ärmern Volksklaſſen keine Schulen, außer denjenigen, welche die Papas halten, die für Gelehrte gelten, wenn ſie leſen und ſchreiben können. Das weibliche Geſchlecht erhält keinen Schulunterricht; die Töchter der Bemittelten werden in Nonnenklöſtern erzogen, wo man ſie blos im Stricken, Nähen, Filetmachen, Sticken und dergleichen Arbeiten unterrichtet.

Die gewerbtreibenden Volksklaſſen beſtehen hauptſächlich aus Kaufleuten, Krämern, Schiffsleuten, Fiſchern und Laſtträgern. Handwerker finden ſich wenige, und manche fehlen gänzlich. Am zahlreichſten ſind die Gerber und Töpfer, mit welchen letztern faſt die ganze Vorſtadt Caſtrati angefüllt iſt. Auch wird viel Roſoli und Anisbranntwein bereitet. Der Handel befindet ſich größten Theils in den Händen der Engländer. Die Ausfuhr beſteht in Oel, Salz, Li⸗ queurs und Häuten; die Einfuhr in Getreide, Rindern, Schöpſen und Feder⸗ vieh aus Albanien, ferner in Tuch, Leinwand, baumwollenen und ſeidenen Zeugen, und andern Kleidungsſtücken, in Metallwaaren, Zucker, Kaffee, Ge⸗ würzen und Lurusartikeln, was meiſtens aus England kommt. Auch iſt der Zwiſchenhandel ziemlich lebhaft, da Albanien und einige der ioniſchen Inſeln mancherlei ausländiſche Waaren über Corfu beziehen. Die Schifffahrt erſtreckt ſich faſt einzig auf dieſe Länder, und man unterhielt zur Zeit meines dortigen