Schulenburg, welcher im Jahre 1716 die Stadt gegen die Türken vertheidigte. Die Citadelle hat auf der Landſeite, nach der Esplanade hin, ein Thor, das ſie mit der Stadt verbindet. Am Seeufer ſind Schiffswerften; auch befindet ſich hier der kleine, mit einem Molo umgebene Hafen Mandrachio, wo ehedem zwanzig Galeeren gehalten wurden. Die vielen übrigen Werke zur Verthei⸗ digung der Stadt, z. B. das Fort neuf, das Fort Tenedos, Abramo, S. Salvatore und andere, übergehe ich, und bemerke nur, daß Corfu, melches ſtets für den Schlüſſel zum adriatiſchen Meere galt, ſeit der Uebergabe an die Engländer noch ſtärker als vorher geworden iſt, weil ſie nicht nur die Werke ſehr verbeſſert und ſtark mit Artillerie und Truppen aller Art beſetzt haben, ſondern auch im Hafen ein Linienſchiff und mehre Fregatten unterhalten.
Die Stadt liegt zwiſchen der Citadelle und den nach dem Innern des Landes ſich ausdehnenden Vorſtädten. Sie hat vier Thore, wovon eins nach der Landſeite, und die übrigen nach dem Meere führen. Nur die Hauptſtraßen ſind gepflaſtert. In den ungepflaſterten Nebengaſſen herrſcht bei regnigem Wetter außerordentlicher Schmutz; doch haben die Engländer Verfügungen getroffen, ſie außerdem reinlich zu halten. Die drei von der Judenſchaft be⸗ wohnten Straßen ſind mit Thoren verſehen, die in der Nacht geſchloſſen werden. Die Häuſer haben zwei Stockwerke, meiſtens platte Steindächer, und Vorhallen. Sie ſind feſt gebaut; aber es fehlt ihnen an Höfen, ſo wie auch keins einen Garten beſitzt. Die vielen, ſo genannten Paläſte zeichnen ſich blos durch ihre Größe vor den übrigen Häuſern aus.
Die drei Vorſtädte, Santo Rocco, Caſtrati und Manduchio, haben meiſtens kleine, ſchlecht gebaute Häuſer. Viele derſelben kann man blos Hütten nennen; ja, manche ſehen, da ſie aus einem einzigen, mit keinen Fenſtern verſehenen Ge⸗ mach beſtehen, einem Stall ähnlich.
Es gibt in Corfu keinen einzigen Brunnen, und man muß das Waſſer auf Maulthieren von den benachbarten Quellen und Bächen holen. Biele Ein⸗ wohner begnügen ſich daher mit Ciſternenwaſſer. An Lebensmitteln, beſonders an Weizenbrod, Rind⸗ und Schöpſenfleiſch, Federvieh, Käſe, Fiſchen und Ca⸗ viar, grünen und trocknen Gemüſen, mancherlei Früchten, und an Wein und Roſoli fand ich Ueberfluß. Doch ſtand Alles in hohem Preiſe, obſchon die Engländer Maßregeln getroffen hatten, daß Niemand übertheuert werden konnte; denn es waren nicht nur in den Verkaufshallen der Bäcker, Fleiſcher und Fiſch⸗ händler, ſo wie in den Weinhäuſern, polizeiliche Verordnungen in Betreff des Waarenpreiſes angeſchlagen, ſondern auch jeder Gemüſe⸗, Frucht⸗ und Feder⸗
viehhändler u. ſ. w. mußte, an ſeinem Korb oder auf ſeinem Tiſche, einen von Richter's Reiſen. II. 25


