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verhaften. Er blieb, unter Dieben und Mördern und mit Ketten belaſtet, mehre Monate in peinlicher Unterſuchung, bis endlich der König, kurz vor ſeiner Abreiſe nach Neapel, ihn durch einen Machtſpruch befreite, und noch überdies beſchenkte. Deſſen ungeachtet hielt er ſich vor einer weitern Verfolgung nicht ſicher, und hatte daher den Entſchluß gefaßt, nach Corfu zu gehen, wo einige ſeiner Verwandten lebten. Uebrigens war ſein rührendes Lied in ganz Sieilien ein beliebtes Volkslied geworden, das ich nicht blos in Palermo, ſondern auch in Meſſina und Catania auf allen Gaſſen hatte ſingen hören.
Die Helena ging am Tage nach unſerer Einſchiffung unter Segel. Sie kam, von allen Umſtänden begünſtigt, nach ſechs und dreißig Stunden zum Vorgebirge Paſſaro, und dann mit gleicher Schnelligkeit durch die Fluthen des ioniſchen Meeres. Ohne daß ſich auf der Fahrt etwas Sonderbares ereignete, langte ſie den 19. Auguſt im Hafen ihrer Beſtimmung an. Wir gingen am nächſten Morgen in die Stadt, und nahmen, da in der ſiciliſchen Familie, an welche man uns empfohlen hatte, die häusliche Ruhe durch einen wichtigen Vorfall geſtört worden war, unſern Aufenthalt in einem Gaſthauſe.
Der Hafen von Corfu gewährt einen intereſſanten Anblick. Grüne Berge ziehen ſich im Halbkreiſe herum, und bilden den geräumigen Buſen. Im Süden desſelben liegt, auf einer hervorſpringenden Erdzunge, die Stadt mit ihren zahlreichen Werken, ihren Schiffswerften u. ſ. w. Der Hintergrund zeigt kahle, über einander geſchobene Gebirge. Auf der entgegengeſetzten Seite, d. i. nach der Meerenge von Corfu hin, erblickt man die etwa 1800 Schritt von der Stadt entfernte Inſel Vido mit ihren Baſtionen, ihrer Meierei und Oliven⸗ pflanzung, nicht weit davon die kleine, von Quarantäneſchiffen umgebene La⸗ zarethinſel, und den ſteilen Felſen Condiloniſſi, deſſen Gipfel die Ueberreſte einer alten griechiſchen Feſtung trägt. Jenſeit der blauen Waſſeerfläche ſtellt ſich, in der Entfernung einer Meile, die klippenreiche und gebirgige Küſte von Albanien, mit der Stadt Butrinto dar.
Der Raum zwiſchen den genannten Inſeln und der Erdzunge bildet den Hafen; er iſt geräumig und bequem, und das Waſſeer hat eine Tiefe von vierzig bis achtzig Fuß.
Den äußerſten Vorſprung der Erdzunge, auf welcher Corfu liegt, bedeckt die Citadelle, ein Werk von vielen, mit Gräben umgebenen Baſtionen, in deſſen Mitte zwei Forts auf einzelnen Felſen ſich erheben. Außer den Kaſernen, Ma⸗ gazinen und weitläufigen, aus der Zeit der Venetianer herrührenden Gefäng⸗ niſſen, enthält dieſe Feſtung einige Paläſte, unter andern den des Gouverneurs, der damals, als ich in Corfu war, von dem britiſchen Lord⸗Oberkommiſſär be⸗ wohnt wurde; vor demſelben ſteht die marmorne Bildſäule des Grafen von


