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16 halb die Bewohner jenes Landes nicht ſo erfinderiſch, als geſchickt ſind, Erfin⸗ dungen zu würdigen, zu verbeſſern und nützlich zu machen; daher ſie auch den Ruhm von mancher ſich zueignen, die ſie nicht gemacht, ſondern nur vervoll⸗ kommnet haben.
Aus dem kräftigen und feſten Sinn, aus der Beſonnenheit und dem ruhi⸗ gen Ernſt des engliſchen Volks erklären ſich auch mancherlei Erſcheinungen in ſeinem Aeußern, z. B. daß deſſen Geſichtszüge minder ausdrucksvoll, als bei Nationen einer leidenſchaftlichern Gemüthsart ſind, daß er jedes Geberdenſpiel für abgeſchmackt hält, oder daß bei ihm ein unwilliger Blick dasſelbe ſagt, als in Frankreich ein Strom von Vorwürfen, und ein Händedruck eben ſo viel be⸗ deutet, als wenn dort die Leute mit Küſſen einander faſt erſticken.
Aus derſelben Quelle entſpringen auch andere Eigenſchaften des Eng⸗ länders. Er haßt die Geſchwätzigkeit, und ſucht im Sprechen wie im Schreiben ſich deutlich und beſtimmt, aber mit möglicher Kürze auszudrücken. Er findet immer Geſellſchaft in ſich ſelbſt, weshalb ihm der Umgang mit Andern kein unentbehrliches Bedurfniß, und die Einſamkeit ſogar anziehend iſt. Der Hang zu rauſchenden Vergnügungen übt keine ſo ſtarke Macht über ihn aus, als über die meiſten europäiſchen Völker, daher ſelbſt London nicht die geſelligen Freu⸗ den darbietet, welche die Ausländer in einer ſo großen und reichen Stadt er⸗ warten. Die merkwürdigen Gebäude und Anlagen derſelben, die zahlloſen, zum Verkauf oder blos zur Schau ausgeſetzten Kunſtſachen, die Schifffahrt, der Handel, und das geſchäftige Treiben der ungeheuern Menſchenmaſſe— dies alles gewährt zwar vielfachen Stoff zu einer angenehmen und lehrreichen Unterhaltung; allein, was man eigentlich unter öffentlichen Vergnügungen ver⸗ ſteht, beſchränkt ſich auf die Theater, auf einige Parks und Theegärten, ſo wie die jährlichen und gelegentlichen Volksfeſte. Die Kaffeehäuſer tragen wenig zur Beförderung der Geſelligkeit bei. Ein Fremder, der zum erſten Mal ein ſolches Haus betritt, glaubt die Verſammlung einer frommen Secte zu erblicken. Man denke ſich einen einfachen, weder mit Spiegeln, noch mit andern aufheiterndem Putze verſehenen Saal, worin, wegen ſeiner großen Tiefe, wegen der geringen Anzahl ſeiner Fenſter und weil die untere Hälfte derſelben beſtändig mit grü⸗ nen oder rothen Vorhängen behängt iſt, ein feierliches Dunkel herrſcht. An beiden Seiten befinden ſich Tiſche mit Bänken, welche, gleich denen in vielen proteſtantiſchen Kirchen, hohe Lehnen haben, worauf noch Vorhänge, ebenfalls von grüner oder rother Farbe, an ausgeſpannten metallenen Stäben befeſtigt ſind. Mithin bildet jeder Tiſch, nebſt Zubehör, ein kleines abgeſondertes Ge⸗ mach,„Box“(Loge) genannt, das die darin befindliche Geſellſchaft vor den Uebrigen völlig verbirgt. Die ſämmtlichen Gäſte beſchäftigen ſich mit dem


