Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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wohl äußern ſich dort ihre Folgen weit weniger ſchädlich, als in andern euro⸗ päiſchen Staaten. Denn eben die genaue Befolgung ihrer Geſetze, welche auf der einen Seite zu einigem Aufwande nöthigt, hält auf der andern von über⸗ triebener Verſchwendung ab, daher der Vorrath an Kleidern und Möbeln faſt

bei Niemanden übermäßig groß, ſondern nach dem Grundſatze:Wenig und

gut berechnet iſt. Da übrigens Jedermann ſeine Bedürfniſſe nur aus den inländiſchen Fabriken bezieht, ſo dient der Luxus dem Gewerbfleiße des Landes einen hohen Schwung, und dem Gelde einen ſchnellen, für das Ganze ſehr wohlthätigen Umlauf zu geben.

Jener kraftvolle thätige Geiſt, welcher einſt die kühnen Eroberer Englands beſeelte, hat auch ihre Nachkommen nicht verlaſſen; er äußert ſich allenthalben, in den Unternehmungen der Staatsmänner, der Kaufleute und Seefahrer, wie in den Arbeiten der Gelehrten, der Künſtler, Handwerker und Landwirthe. Ihm verdankt das Land hauptſächlich ſeinen Wohlſtand und ſein Uebergewicht über die übrigen Staaten Europa's, obwohl auch nicht zu läugnen iſt, daß die dem Handel ſo günſtige Lage, und beſonders die Colonien Vieles dazu beige⸗ tragen haben. 4.

Meinen Leſern den hohen Muth des engliſchen Volks zu ſchildern, würde am unrechten Orte ſein. Wiſſen doch alle, wie kühn und ausdauernd es Gefah⸗ ren trotzt, und wie tapfer es im Kriege gegen ſeine Feinde kämpft, würdig des Sinnbildes im königlichen Wappen, ich meine die drei Löwen. Sogar die Frauen beſitzen, ungeachtet ihrer Zartheit, einen hohen Grad von Herzhaftig⸗ keit, die auf mannichfache Weiſe ſich zu erkennen gibt. Sie finden z. B. Ver⸗ gnügen wilde Roſſe zu beſteigen oder an der Kutſche zu lenken; unzählige ver⸗ trauen ihr Leben dem tobenden Meere an, und machen gefahrvolle Neiſen nach den entlegenſten Himmelsſtrichen; oftmals nehmen die Weiber der Seeleute auf den Kriegsſchiffen lebhaften Antheil am Gefecht mit den feindlichen, und die Soldatenweiber zu Lande folgen ihren Männern unaufhaltſam in das Getüm⸗ mel der Schlacht. Man weiß aber auch, daß der Muth des weiblichen Ge⸗ ſchlechtes leicht in Herrſchſucht übergeht, die geneigt iſt, dem männlichen die Obergewalt zu entreißen.

Da nun aber Menſchen von vorzüglicher Geiſteskraft, je nachdem dieſelbe ausgebildet und überhaupt von äußern Umſtänden geleitet wird, zugleich großer Tugenden und großer Laſter fähig ſind, ſo kann es nicht fehlen, daß die Be⸗ wohner Englands eine auffallende Verſchiedenheit in ihren moraliſchen Eigen⸗ ſchaften zeigen. Dies muß um ſo mehr der Fall ſein, weil die Staatsver⸗ faſſung ihren Handlungen einen weiten Spielraum läßt, und mithin die freie Ausbildung des Charakters begünſtigt. Man hat daher nicht ſelten behauptet,

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