Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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huldigt; und wenn in der letztern eine neue Tracht erſcheint, bedarf es kaum vierzehn Tage, um die ganze Nation, mit Ausnahme der Aermern, darnach umzuſchmelzen. Dies gilt jedoch blos von den wichtigen Veränderungen; die unbedeutenden dergleichen von den ſo genanntenModiſchen(Fashionab- les), d. i. den Ton angebenden Stutzern in London, faſt wöchentlich vorge⸗ nommen werden, übergeht der große Haufe. Indeſſen ſieht man ſelten Leute um ein halbes Jahr in der Mode zurück, und niemals ſolche, deren An⸗ zug, wie dies z. B. in Deutſchland häufig der Fall iſt, das Gepräge verſchie⸗ dener Zeitalter an ſich trägt; Rock, Weſte, Beinkleider, Hut und alles Uebrige paſſen in Hinſicht des Alters zu einander. Es iſt aber nicht blos das Modiſche, was die Kleidung bezeichnet; die Reinlichkeit, Ordnung und ſchickliche Zuſam⸗ menſtellung, das Einfache und Gediegene desſelben ſind eben ſo hervorſtechende Eigenſchaften. Schönheit der Wäſche geht dem Engländer über Alles, daher er nie zu den Mitteln, um die Mängel derſelben zu verbergen, z z. B. Vorhemd⸗ chen zu tragen, ſeine Zuflucht nimmt. Er verachtet jeden Flitterſtaat, und zieht immer das Theure dem Wohlfeilen vor, das man nur zum Verkauf in das Ausland verfertigt. Die Farben ſeiner Kleidungſtücke ſind ſtets einfach, nie grell, bunt, oder unpaſſend, und verrathen überhaupt einen feinen Geſchmack, obgleich die Formen nicht immer das Gefällige der. franzöſiſchen erreichen. Uebrigens liegen der Mode, trotz ihres häufigen Wechſels, gewiſſe feſt ſtehende Regeln zum Grunde. So iſt z. B. die Kopfbedeckung der Männer ſtets ein runder Hut; dreieckige ſieht man nur bei den Offizieren des Landmilitärs und der Marine, bei den Hofleuten in Gala, und in dem Londoner Opernhauſe, wo blos vornehme Familien, und zwar in der Hoftracht erſcheinen. Mützen werden blos auf der Jagd, oder auf der Reiſe getragen. Schuhe und Kamaſchen kom⸗ men auf Spaziergängen und auf der Reiſe, ſelbſt zu Pſande, nicht aus dem Gebrauch.

Auf gleiche Weiſe, wie in der Kleidung, unterwerfen ſich die Engländer im Hausrath der Zeitſitte, obſchon weniger allgemein, weil ihre Forderung nicht ſo leicht hierin zu befriedigen iſt; doch darf ich kühn behaupten, daß die meiſten Bemittelten ihre Haushaltungen alle drei oder vier Jahre durchaus neu einrichten. Neben dem Stempel der Neuheit trägt das Geräth den der Nettigkeit und des Werthes. Aber es zeichnet ſich zugleich durch Einfachheit aus, die beſonders auch in der Anordnung desſelben vorherrſcht; und ungeach⸗ tet manche unnöthige Bedürfniſſe z. B. prächtige Fußteppiche in den Zim⸗ mern, ja, ſogar auf den Gängen und Treppen, eingeführt ſind, nimmt man doch nirgend eine geſchmackloſe Ueberfüllung wahr.

Es erhellet hieraus, welche Macht die Mode in England ausübt. Gleich⸗