Teil eines Werkes 
2. Band (1857)
Entstehung
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erhielt ich die frohe Nachricht, daß er, in Amerika glücklich angekommen, in den Dienſt eines boſtoner Handelshauſes getreten, und von dieſem zum Schiffs⸗ kapitän befördert worden ſei, welche Stelle er vielleicht noch jetzt bekleidet. Seine Befreiung aus der Gefangenſchaft gewährt mir immer eine angenehme Erinnerung, und ob ſie gleich auf eine Weiſe geſchah, die mit den Geſetzen einer ſtrengen Moralität nicht übereinſtimmt, ſo war ſie doch immer eine Handlung der reinen Menſchenliebe, und um ſo verzeihlicher, da mir kein anderes Mittel zur Rettung eines Unglücklichen übrig blieb.

Während der letzten Wochen, die ich in London zubrachte, traf ich dort mit einem meiner vertrauteſten Freunde, dem Schiffsarzte Walter zuſammen, und wiewohl er ſich eben verheirathen wollte ein Verhältniß, das oft die innigſten Freundſchaften trennt, vermochte dies doch nicht, eine ähnliche Wir⸗ kung auf die unſrige hervorzubringen, die ſich im Gegentheil mit jedem Tage verſtärkte. Da ich vom Morgen bis zum Abend ihn begleiten mußte, ſo ward ich von ihm bei ſeiner Braut eingeführt, einer jungen, liebenswürdigen Frau, und nicht ohne Vermögen. Ihr Gatte war vor einigen Jahren nach Oſtindien gereiſt, und dort, ohne das Geringſte von ſich hören zu laſſen, verſchwunden. Sie hielt ihn daher für todt, und glaubte ihre Hand weiter verſchenken zu dür⸗ fen. Es war zwei Tage vor dem zur Hochzeit beſtimmten, als ſie meinen Freund und mich, nebſt vielen ihrer Vettern und Muhmen, mit einem Abendeſſen be⸗ wirthete, und eben den Tugenden des verſtorbenen Mannes, vielleicht dem künf⸗ tigen zur Belehrung, eine Lobrede hielt, da öffnet ſich plötzlich die Thür, der vermeinte Todte tritt friſch und munter herein, und die junge Frau ſinkt, mit einem Schrei des Entſetzens und der Freude, in ſeine Arme. Man kann leicht denken, daß Walter ſich für einen unberufenen Zuſchauer dieſes zärtlichen Auftrittes hielt, und ſich ſchnell entfernte.

Ich theile nun meinen Leſern einige Bemerkungen über England im All⸗ gemeinen mit, eine gedrängte Zuſammenſtellung alles deſſen, was ich ſowohl während meines jetzt beſchriebenen als früheren Aufenthaltes in dieſem Lande wahrzunehmen Gelegenheit hatte.

Wenn Reiſende der britiſchen Inſel ſich nähern, ſo fällt ihnen, oftmals in weiter Entfernung und ehe ſie noch ſichtbar wird, der von ihr ausſtrömende Geruch der Steinkohlen auf, den ſie jedoch, weil die Geruchsnerven ſich bald daran gewöhnen, nach der Ankunft auf dem Lande nicht widerlich, ſondern bis⸗ weilen nach einiger Zeit, wie der Eingeborne, ſogar angenehm finden. Da England den ſtets aus dem Meere aufſteigenden Dünſten ausgeſetzt, und den größern Theil des Jahres, wo nicht mit dickem Nebel, doch mit einer feuchten, vom Kohlenrauche verdüſterten Luft bedeckt iſt, ſo läßt ſich in der Ferne oft

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