2 guter und böſer Art, begegnete. Ich darf jedoch der beabſichtigten Kürze wegen nicht alles einzeln berühren, ſondern beſchränke mich auf zwei Vorfälle, welche bei mir in friſchem Andenken geblieben ſind.
Als ich eines Tages im Hafen von Chatham ſpazieren ging, und meine Augen an dem anziehenden Schauſpiel der dort verſammelten Kriegsſchiffe wei⸗ dete, führte der Zufall einen Deutſchen herbei, der ſich in Dienſten auf einer nicht fern liegenden Fregatte befand. Landsmannſchaft, verwandte Lebensart und ſeemänniſche Ungezwungenheit brachten uns ſchnell einander näher, und weil ihm ſeine Verhältniſſe keinen langen Aufenthalt am Lande erlaubten, be⸗ gleitete ich ihn, um unſere Bekanntſchaft fortzuſetzen, auf ſein Schiff. Da das⸗ ſelbe auf einem Kreuzzug in der Nordſee einige däniſche Fahrzeuge genommen, und ſie erſt vor wenigen Stunden eingebracht hatte, ſo traf ich daſelbſt viele kriegsgefangene Dänen; und wie groß war meine Ueberraſchung, als ich unter dieſen Unglücklichen einen mir theuern Freund erblickte,— den jüngern Sohn des oft erwähnten Schiffskapitän Fedderſen. Die Freude, den geliebten Knaben wiederzufinden, und ihn zum kraftvollen Jüngling heran gewachſen zu ſehen, wurde durch den Schmerz über ſeine mißliche Lage ſehr getrübt. In demſelben Augenblick faßte ich aber auch den Entſchluß, ihn aus derſelben zu retten, und dachte darüber nach, wie es anzufangen wäre. Seine Freilaſſung förmlich aus⸗ zuwirken, dazu fehlten mir die erforderlichen Mittel. Engliſchen Kriegsdienſt zu nehmen, half ihm zwar auf der Stelle aus der Gefangenſchaft; allein wie konnte man ihm, da ſein Vaterland in offener Fehde mit England war, einen ſolchen Antrag machen, ohne ſein patriotiſches Herz zu verwunden! Es blieb daher zu ſeiner Rettung nichts übrig als die Flucht, welche jedoch, weil man die Gefangenen am nächſten Morgen in ſichern Gewahrſam, nämnlich auf Blockſchiffe bringen wollte, ohne Aufſchub bewerkſtelligt werden mußte. Die Ausführung
des Vorhabens wurde dadurch, daß der erwähnte Deutſche, obſchon ein Beamter der Fregatte, ſeinen Beiſtand nicht verſagte, ſo wie auch durch andere Umſtände ſehr erleichtert; und kurz, als am Abend die Schiffsmannſchaft ſich der Freude, welche die glückliche Rückkehr in den Hafen, die angekommenen Weiber und Bekannten, und die in Menge herbeigeſchafften Lebensmittel veranlaßten, unge⸗ ſtört überließ und nur mit ſich ſelbſt beſchäftigte, führte ich den jungen Fedder⸗ ſen, durch Verkleidung unkenntlich gemacht, in ein bereit ſtehendes Fährboot, das uns bald aus Sicht des Schiffes, und an Land brachte. Wir eilten ſodann nach Gravesend, einem Städtchen an der Themſe, wo es mir gelang, den Flücht⸗ ling mit den nöthigen Bedürfniſſen zu verſehen, auf einem ſo eben in See ge⸗ henden amerikaniſchen Kauffahrer unterzubringen, und ihn dadurch vor jeder Verfolgung ſicher zu ſtellen.— Nach einem Zeitraum von beinahe drei Jahren
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