4
nichts anderes von den Küſten erkennen, als die weißen kreidigen Berge, die hier und da, beſonders bei Landsend und an der Seite des Kanals, hervor ragen. Faſt nur im Sommer gibt es Tage, wo die Reinheit der Luft eine freie Anſicht der Landſchaften geſtattet. Daher erſcheint das Aeußere des Lan⸗ des, auf den erſten Anblick, meiſtens nicht reizend. Doch, die ungemeine Lebhaf⸗ tigkeit umher, nämlich das Drängen und Treiben der ab⸗ und zugehenden Schiffe, bereitet den Ankömmling auf ein großes Schauſpiel im Innern vor, und ſteigert mit jedem Augenblick ſeine Erwartungen.
Es dürfte wohl Wenigen unbekannt ſein, daß der Zuſammenfluß von Schiffen und Menſchen aus allen Himmelsſtrichen, die Menge der in⸗ und aus⸗ ländiſchen Waaren, ſo wie der großen Gebäude, worin dieſelben niedergelegt werden, und der Anſtalten, um ſie hin und her zu ſchaffen— daß, ſage ich, Schifffahrt und Handel nirgends in ſo glänzendem Lichte ſich zeigen, als in den engliſchen Häfen. Von den zahlloſen und merkwürdigen Gegenſtänden, auf die man dort unaufhörlich ſtößt, will ich nur denjenigen herausheben, welcher am wenigſten gefällig erſcheint, und deshalb von den meiſten Fremden ganz überſehen wird, ſo wichtig er auch für den Briten iſt. Ich meine die Kohlenſchiffe, d. h. Fahrzeuge, welche die Steinkohlen aus den Niederlagen in Newcaſtle, Shields, Sunderland ꝛc. nach allen Theilen des Reichs ſchaffen. Da dergleichen Schiffe wenigſtens alle vierzehn Tage eine Reiſe machen, und folglich eben ſo oft eine Fracht Kohlen ein⸗ und ausladen, was nie ohne die größte Verunreinigung derſelben geſchehen kann, ſo iſt es trotz aller Bemühung unmöglich, ſie ſauber zu halten, und man pflegt, um den Schmutz zu verber⸗ gen, alle Theile mit ſchwarzer Oelfarbe, oder mit Theer anzuſtreichen. Sie nehmen ſich daher, auf den erſten Anblick, neben den prächtigen Kriegsſchiffen und Kauffahrern nicht vortheilhaft aus. Allein, faßt ſie der Beobachter genau in's Auge, ſo wird er gewahr, daß ihre Mannſchaften faſt alles übertreffen, was den Seemann in Abſicht auf Thätigkeit, Muth, Abhärtung und Geſchick⸗ lichkeit auszeichnet. Kaum ſind ſie im Hafen angelangt, ſo eilen ſie die La⸗ dung ein⸗ oder auszuſchiffen, und gehen dann ſchnell wieder in See, es ſei bei
Tage oder bei Nacht, im Regen oder Sonnenſchein, bei günſtigem oder un⸗.
günſtigem Winde. Kurz, zu jeder Zeit ſieht man die Kohlenſchiffe längs den Küſten kühn dahin ſegeln, und im Sturm oder Nebel— wenn andere Schiffe, aus Furcht an den Klippen und Sandbänken zu ſcheitern, ſich fern vom Lande halten,— unverſehrt den Ort ihrer Beſtimmung erreichen, was nicht ſelten eine ſchwierige Aufgabe, und ſchwieriger iſt, als den Weg über den Ocean nach Weſt⸗ oder Oſtindien zu finden. Die Bewunderung, die ein ſolches Fahrzeug dem Beobachter abnöthigt, ſteigt noch mehr, wenn er bemerkt, daß
„
8 4


