Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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friſch vergoldet worden iſt, auf einem prächtigen Palankin getragen, worauf der Sarg kommt, den man auf Bambusſtangen trägt. Den Zug ſchließt ein Heer von Leidtragenden, die großen Theils gemiethet werden. Die Verwandten ſind ganz weiß gekleidet, und die Uebrigen haben den Kopf mit weißen Tüchern ver⸗ hüllt. Wenn der Todte in das Grab geſenkt iſt, ſetzen die Angehörigen zu ſeinem Unterhalte Reis, Thee und andere Lebensmittel auf den Sarg, ſo wie ſie auch einige Geldſtücke darauf legen. Nach der Zeit kommen ſie oft, bis⸗ weilen jeden Morgen, zu dem Grabe, um Opfer darzubringen. In Canton hält man auch auf dem Strom Leichenbegängniſſe, indem der Todte, von den Trauernden begleitet, unter Muſik in sinem Boote hin und her gefahren wird, welches bis an die Spitze des Maſtes mit bunten Laternen erleuchtet iſt. Dies geſchieht viele Abende hinter einander, und nicht ſelten mehre Jahre nach dem Begräbniſſe des Todten. Wenn. gfhid auf Reiſen im Lande ſtirbt, ſo laſſen die Angehörigen ſeinen Leichnaͤm, wenn auch einige hundert Meilen weit, an ſeinen Wohnort bringen. Während der ſo genannten tiefen Trauer, welche ſie⸗ ben Wochen dauert, müſſen dieſelben täglich für den Verſtorbenen beten, opfern und ſtets mit Gedanken an ihn beſchäftigt ſein. Innerhalb der Stadt Jeman⸗ den zu beerdigen, iſt nicht erlaubt. Die Gräber werden, wie ich ſchon oben erwähnte, an den Seiten der Berge gemacht. Sie haben das Anſehen eines Eiskellers; an der Stelle der Thür befindet ſich eine aufgerichtete Steinplatte, in welche die Denkſchrift eingehauen iſt.

Ungeachtet Canton im Ganzen ein geſundes Klima hat, ſo ſind dennoch die Einwohner mancherlei Krankheiten unterworfen. Viele werden blind gebo⸗ ren, oder verlieren nach der Geburt ihr Geſicht; und dies ſind die einzigen in Canton geduldeten Bettler, welchen man als Gabe einen Löffel voll Reis zu reichen pflegt. Die Meiſten leiden an Kurzſichtigkeit, ſo wie auch Viele trie⸗ fende Augen oder geſchwollene Augenlider haben. Die Urſache dieſer Uebel wird von den europäiſchen Seeleuten dem häufigen Genuſſe des Reiſes zuge⸗ ſchrieben, was jedoch die Chineſen beſtreiten. Eine Menge Menſchen leidet an Geſchwüren, die ſo bösartig ſind, daß das Fleiſch ſtückweiſe vom Leibe fällt. Man ſieht bisweilen ſolche Leidende, weil ſie keine Kleidung vertragen können, blos in Matten gehüllt. Fieber, Lungenſucht und Auszehrung, ſo wie auch mancherlei durch Ausſchweifungen verurſachte Uebel, kommen häufig vor.

Was die Witterung in Canton betrifft, ſo bewirken beſonders die in der Nähe wehenden Monſoons, daß man dort zwei Jahreszeiten, nämlich die naſſe und trockene hat. Wenn die Sonne im September von der Linie gegen Süden geht, wird die Luft nach und nach kühler. Im October und November iſt ſie mit dickem, oft in Staubregen herabfallendem Nebel angefüllt, klärt ſich aber