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Thurm anſehen. Das Muſikchor befindet ſich ebenfalls auf der Bühne; es iſt, außer den oft genannten Inſtrumenten, auch mit Klapperhölzern verſehen, um den Takt anzugeben.
Die Chineſen lieben bei Zuſammenkünften das Kartenſpiel; doch iſt es durch die Geſetze ſehr eingeſchränkt. Die Karten, welche, im Verhältniß zu der Länge, nur die halbe Breite der europäiſchen haben, ſind aus Papier, Holz oder Horn gemacht. Eben ſo dienen Würfel bisweilen zur Unterhaltung. Dieſe werden überdem faſt täglich ebrnncht⸗ wenn man die Götzen um Rath fragt, was zu thun oder zu laſſen ſei. Die Chineſen ſpielen auch Dame, und ein Bretſpiel, welches nur zwei Steine, aber eben ſo viel Ueberlegung, wie das Schach erfordert. Die Kinder beluſtigen ſich mit fliegenden Drachen, mit Vögeln und Schmetterlingen von Papier, ſo wie mit Bällen und auf andere Weiſe. Man übt ſich von früher Jugend ah, VPoße Laſten aufzuheben, ſo daß Erwachſene oft 150 Pfund mit ausgeſtrecktem Arm empor halten können. Die Jünglinge ſuchen ſich Gewandtheit beim Schlagen zu erwerben, indem ſie ſechs und mehr ſchwere, mit Sand gefüllte Säcke aufhängen, und dann, in der Mitte ſtehend, dieſelben in Bewegung ſetzen, und ihren Stößen auszuweichen ſuchen. Auch üben ſie ſich, die Muskeln zu ſpannen, um die Hiebe, welche ihnen bei ernſthaften Prügeleien vom Gegner beigebracht werden, weniger zu empfinden. Solche Leibesübungen ſetzen die Chineſen oft bis in's ſpäte Alter fort, ob ſie ſchon in Fällen, die eine Gelegenheit zu ihrer Anwendung darbieten, wenig Vortheil daraus ziehen.
Verbrechen werden in China ſelten den Gerichtshöfen zur Unterſuchung vorgelegt, ſondern meiſtens von dem erſten Mandarin, welchem ſie zu Ohren kommen, auf der Stelle beſtraft; auch läßt ſich faſt jedes mit Geld abbüßen. Die gewöhnliche Strafe beſteht in Schlägen mit einer Geißel von geſpaltenem Bambusrohr, daher man einen Schlag mit der Elle, weil dieſes Maß aus demſelben Holze verfertigt wird, für ſchimpflich hält. Diebe führt man überdem mit einem Brete, welches oben den Hals und unten die Hände umſchließt, mehre Tage in der Stadt umher, und ſchneidet ihnen zur fortdauernden Beſchimpfung
den Haarzopf ab. Geſchändete Jungfrauen müſſen ſich gefallen laſſen, auf
öffentlichem Markte zum niedrigſten Sklavendienſt verkauft zu werden. Gegen Aufrührer wird mit der größten Grauſamkeit verfahren; man läßt ſie z. B. von Pferden zerreißen.
Den Todten erweiſt man in China vorzügliche Ehre, und begräbt ſie mit vielem Geldaufwand und Gepränge. Bei einem gewöhnlichen Leichenzuge gehen zuerſt zwei Männer mit Fahnen voraus; dann folgt ein Chor Muſtkanten.
Hinter dieſen wird das Götzenbild des Verſtorbenen, welches zu der Feierlichkeit 30*


