Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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auf einen willkührlichen Gegenſtand, oder auf den Zweck des Beſuchs, wenn er auch von der größten Wichtigkeit wäre, übergehen darf. Noch mehr Förmlich⸗ keiten erfordern Gaſtereien, wovon ich weiter unten ſprechen werde.

Den Fremden behandeln die Chineſen mit ſcheinbarem Wohlwollen, das ſogar in Gaſtfreiheit übergeht, wenn ſie einigen Gewinn von ihm zu ziehen hoffen; daher er gewöhnlich von den Kaufleuten, ehe der Handel beginnt, mit Thee oder Wein, mit Gebackenem oder Eingemachtem bewirthet wird. Deſſen ungeachtet laſſen ſie bei jeder Gelegenheit den Eigendünkel und die Selbſt⸗ genügſamkeit ihrer Nation blicken. Sie ſind z. B. bereitwillig, Auskunft in Hinſicht ihres Landes zu geben, weil ſie gern von den eingebildeten Vorzügen desſelben ſprechen; aber ſelten äußert einer das geringſte Verlangen, von der⸗ Heimath des Ausländers etwas zu hören. Aus dem Grunde dürfen auch die Einwohner im Innern des Landes nicht einmal wiſſen, daß die von Canton kommenden Waaren europäiſche ſind, denn ſonſt würde man dieſelben aus Ver⸗ achtung gegen alles Ausländiſche nie kaufen. Sie gehen daher unter dem NamenCantoner, und man glaubt, daß ſie inländiſche Erzeugniſſe ſind.

Von dem Pöbel in Canton muß der Europäer ſich viel Unarten gefallen laſſen, beſonders in den von den Factoreien entfernten Stadttheilen, wo ſeine Erſcheinung großes Aufſehen erregt. Nicht ſelten wird er dort von den Gaſſen⸗ jungen mit einem Regen kleiner Steine bewillkommt. Um auf einer Wanderung durch die Stadt dergleichen Unannehmlichkeiten zu entgehen, iſt es das Rath⸗ ſamſte, beim erſten Wachhauſe, das am Wege liegt, einen Soldaten mitzuneh⸗ men, der ſich gewöhnlich mit einem kleinen Geſchenk für ſeine Bemühung begnügt. Mit Hülfe eines ſolchen Begleiters und ſeiner gefürchteten Waffe, der Peitſche, kommt man unbeläſtigt durch die größte Volksmenge, und genießt

überdem des Vortheils, kein Mißtrauen zu erregen, und faſt überall freien Zu⸗

tritt zu erhalten, was außerdem nicht Statt finden würde. Außerhalb der Stadt darf der Europäer keinen Spaziergang machen, ohne am äußerſten Thore von einem Soldaten in Empfang genommen und wieder zurück gebracht zu werden.

9.

Lebensweiſe der Chineſen. Speiſen und Getränke, ſo wie die Tiſchgebräuche die beſondern Ge⸗ bräuche bei Gaſtmahlen, nebſt der ausführlichen Beſchreibung eines ſolchen. Schauſpiele. Karten⸗ und andere Spiele. Beſtrafung der Verbrechen. Begräbniſſe. Klima. Rückreiſe nach England.

Ich gehe nun zur Lebensweiſe der Chineſen über, und mache den Anfang mit ihren ehelichen Verhältniſſen. Es iſt ſchon erwähnt worden, daß die Väter