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10 Mes, ein Mes 10 Kandarin, und ein Kandarin eben ſo viel Kas. Mit dieſen Gewichten wird alles Gold und Silber gewogen, und es dient zugleich zu Rech⸗ nungsmünzen, weil in China, wie ſchon oben erwähnt wurde, nur Ein Kas ſchwere, gleichnamige Kupfermünzen geprägt werden. Unter den ausländiſchen Geldarten haben nur die Piaſter einen beſtimmten Werth, welcher 7 Mes und 4 Kandarin beträgt. Man ſchlägt den chineſiſchen Stempel darauf, um ſie von den falſchen zu unterſcheiden, die bisweilen in Umlauf kommen. In Ermangelung der Scheidemünze wird das Silber in Stücke geſchnitten, daher die Käufer und Verkäufer, nebſt der Wage, auch eine ſtarke Schere bei ſich führen.
In der Geometrie ſind die Chineſen, wie in allen damit verwandten Wiſſenſchaften, ſchlecht bewandert. Ihre Baukunſt hat wenig mit geometriſchen Verhältniſſen zu thun. Die Thüren der Gebäude z. B. ſind für das Ganze viel zu groß, die Fenſter zu ſchmal und zu lang. Die Säulen haben oben dieſelbe Dicke wie unten, und überhaupt eine zu große Stärke; auch ſtehen ſie zu dicht neben einander, ſo daß oft eine, die man mit vielen Centnern belaſten könnte, kaum funfzig Pfund zu tragen hat. Die Feſtungen werden ganz zweckwidrig angelegt, indem ſie meiſtens einen Kreis bilden. Deſſen ungeachtet kann ich den chineſiſchen Wohnhäuſern Bequemlichkeit, und die Eigenſchaft nicht abſprechen, daß ihre Zierrathen, z. B. die großen Inſchriften und Malereien an dem Mauer⸗ werk, die Drachengeſtalten auf den Dächern, oder die blaue Glaſur der Dach⸗ ziegel, einen angenehmen Eindruck auf das Auge machen. Uebrigens weiß man die Steine ſehr dauerhaft mit einander zu verbinden, daher viele der im Lande befindlichen Brücken und Thürme faſt ein gleiches Alter mit den ägyptiſchen Pyramiden haben.
In der Kriegskunſt ſind die Chineſen ſehr weit zurück. Die Kanonen ihrer Feſtungen haben keine Laffetten, ſondern liegen auf der Erde, und ihren Flinten fehlt das Schloß, daher ſie mit der Lunte abgebrannt werden. Die Geſchicklichkeit der Offiziere beſchränkt ſich blos auf gewiſſe körperliche Fertig⸗ keiten; zu den Aufgaben bei ihrer Prüfung gehört unter andern, daß ſie mit eiſernen, 20— 30 Pfund ſchweren Schuhen durch den Koth laufen können.
Die Heilkunſt, welche bei allen gebildeten Völkern ein vorzüglicher Gegen⸗ ſtand des Forſchens iſt, wird in China blos als Nebengeſchäft, meiſtens von den Prieſtern, nach einem mechaniſchen Herkommen ausgeübt. Um eine gründ⸗ liche Kenntniß des innern Körperbaues bekümmern ſich die Aerzte eben ſo wenig, als um die tiefer liegenden Urſachen der Krankheiten. Ihrer Kunſt genügt es, an dem Schlagen der Pulsadern, das ſie oft ſtundenlang unterſuchen, zu er⸗ kennen, ob das Uebel in dem Magen, in der Lunge, oder den Gedärmen u. ſ. w. ſeinen Sitz hat. Leicht erkennbare Krankheiten heilen ſie oft ſehr glücklich, weil


