Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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Man ſieht hieraus, daß es nicht, wie einige Schriftſteller behaupten, die natürliche Beſchaffenheit des Chineſen iſt, welche ihn zu geiſtiger Bildung un⸗ fähig macht. Nur zu oft beweiſt er im Handel, daß er uns an Scharfſinn übertrifft, und dieſen auch in andern Fällen anwenden würde, wenn nicht die Geſetze und uralten Gewohnheiten ſeiner Selbſtthätigkeit Feſſeln anlegten. Ueberdem zeigt ſchon ſeine Geſichtsbildung, daß er mit guten Verſtandeskräften begabt iſt; wenigſtens verrathen nur wenige, ſelbſt aus den geringern Volks⸗ klaſſen, jene Rohheit und Geiſtesarmuth, die man bei andern Nationen ſo häufig findet.

Bekanntlich gibt es in China drei Hauptreligionen, nämlich die des Kong⸗fu⸗tſe(Confucius), zu welcher der edlere Theil der Nation ſich bekennt, ferner die des Lao⸗kiun, und die des Fo, welche die meiſten Bekenner zählt. Die Hofreligion beſteht ſeit 1644 in der lamaiſchen. Außerdem finden ſich mancherlei heidniſche Sekten, ſo wie Juden, Mahomedaner und auch Chriſten im Lande. Ich theile hier nur einige Bemerkungen über die Religion des Fo mit, weil ſie in Canton die herrſchende iſt. Sie wurde vom Kaiſer Ming XV. auf Veranlaſſung eines vorgeblichen Traums, daß der wahre Heilige in den weſtlichen Ländern zu ſuchen ſei, 65 Jahre vor Chriſti Geburt aus Indien ein⸗ geführt und entſtand aus der bramaniſchen, oder, was wahrſcheinlicher iſt, aus der Lehre des Buddha; denn nach Marriſon haben die Chineſen den Buddha der Indier, weil ſie das B nicht ausſprechen können, in Fuhdha oder Fohdha verwandelt, woraus man in der Folge Fo machte. Allein, nach der Behaup⸗ tung ſeiner chineſiſchen Anhänger war er der Sohn eines Königs von Kaſchmir, Infang⸗wang genannt; er ſelbſt hieß Sche⸗kia oder Scha⸗ka, und lebte unge⸗ fähr 1000 Jahre vor unſerer Zeitrechnung. Um ſeinen göttlichen Urſprung und ſeine Beſtimmung als Erlöſer des Menſchengeſchlechts darzuthun, gibt man in Hinſicht ſeiner Geburt, ſeines Lebens und Todes die wundervollſten Um⸗ ſtände an. Unter andern wird behauptet, daß er in dem Augenblick, als er auf die Welt kam, aufrecht auf den Füßen ſtand, dann ſieben Schritte vorwärts that, und, die eine Hand gen Himmel, die andere auf die Erde gerichtet, deutlich ausrief:Außer mir iſt Niemand, weder im Himmel noch auf Erden, der An⸗ betung würdig. Nach ſeinem Tode erwies man ihm, unter dem Namen Fo, göttliche Ehre. Die von ihm verbreitete Lehre zerfällt in die öffentliche und die geheime. In letztere, welche eine Art Atheismus iſt, ſind nur die Oberhäupter der Religion eingeweiht. Die öffentliche enthält die moraliſchen, dem Chriſten⸗ thum ſich nähernden Grundſätze. Sie unterſcheidet das Gute von dem Böſen; wer Gutes im Leben gethan hat, wird nach dem Tode belohnt, im Gegentheile beſtraft. Für die guten und böſen Seelen, ſagt ſie, ſeien gewiſſe Plätze nach

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Richter's Reiſen. I.