Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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busröhren und Ketten verſehen, durch ein wildes Geſchrei die Ankunft deſſelben verkündigten. Unterließ nun Jemand, ſich auf die Seite zu ſtellen und die größte Ehrfurcht zu bezeigen, ſo ſetzte er ſich der ſchwerſten Beſtrafung aus. Ungeachtet dieſer Macht befinden ſich die Staatsbeamten in keiner viel beſſern Lage, als das von ihnen geplagte Volk, weil jeder von den andern bewacht wird. Läßt ſich einer das geringſte Dienſtverſehen zu Schulden kommen, ſo iſt er nicht ſicher, von dem Kaiſer ſeines Amtes entſetzt, oder mit der Todesſtrafe belegt zu werden. Daher laſſen auch die vornehmſten, um ihre Unterwürfigkeit an den Tag zu legen, ſtets die Werkzeuge ihrer Hinrichtung, nämlich Ketten und Hirſchfänger, in Koffern vor ſich hertragen. Mit den Ketten feſſeln ſie ſich ſelbſt, wenn der Kaiſer es befiehlt. Dieſen mächtigen Fürſten verehrt die Nation wie ein überirdiſches Weſen. Das gemeine Volk darf ihn nicht einmal ſehen. Ueberall, wohin er kommt wobei ihm jederzeit 2000 Henker oder Lictoren vorangehen, müſſen die Leute ſich in die Häuſer verſchließen, und wer ſich unglücklicher Weiſe auf der Straße befindet, kann dem Verderben nur dadurch entgehen, daß er ſich mit dem Geſicht auf die Erde wirft. Aus dem Grunde hat auch kein chineſiſches Haus Fenſter an der Vorderſeite. Wenn dem Kaiſer die Hofbeamten ſich nähern, ſo berühren ſie den Fußboden neunmal mit dem Kopfe, und erwarten ſeine Befehle auf den Knien. Selbſt diejenigen, welche ihn täglich umgeben, ſind nicht frei von dieſer Bezeigung übertriebener Ehr⸗ furcht. Die Miniſter dürfen ihm nur dann Rath ertheilen, wenn er ihn ver⸗ langt, nie aber, bei Verluſt des Lebens, Vorſtellungen gegen ſeine Befehle machen. Auf dieſe Weiſe erſtreckt ſich die Sklaverei von dem niedrigſten Unter⸗ than bis auf die Prinzen. Neben dieſem groben Despotismus wendeten China's Beherrſcher auch feine Kunſtgriffe an, ihre Macht zu ſichern. Sie ertheilten jedem Hausvater eine unumſchränkte Gewalt über ſeine Kinder, und ſelbſt über diejenigen Söhne, welche zu einem höhern Stande, als er ſelbſt einnimmt, ge⸗ langt ſind, ſo daß ſie das Leben verlieren, wenn jener ſie verklagt und bei der

Anklage beharrt. Daher prägt man auch den Kindern von Jugeud auf den

Grundſatz ein, nie weiſer, als der Vater iſt, werden zu wollen. Durch dieſe und andere Mittel wurde der Zweck, die Menſchen an ſklaviſchen Gehorſam zu gewöhnen, jede Einrichtung bei der beſtehenden Form zu erhalten, und dem Geiſte der Neuerung zu ſteuern, welcher überhaupt dem Aſiaten nicht eigen iſt, vollkommen erreicht. Aus demſelben Grunde erließ man, außer den eigentlichen Geſetzen, auch eine Menge Verordnungen, welche die Ceremonieen bei jeder Handlung im bürgerlichen und häuslichen Leben, z. B. bei Beſuchen, Heirathen, Begräbniſſen u. ſ. w. ausführlich beſtimmen. Sie erhielten in der Folge geſetz⸗ liche Kraft; und es wurde ein beſonderes Tribunal niedergeſetzt, um über deren