Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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päiſchen. Da es ungemein dünn, und auf der einen Seite glatt wie ein Spiegel, auf der andern aber rauh iſt, ſo beſchreiben ſie nur die erſtere. Hierzu bedienen ſie ſich eines Pinſels von Kaninchenhaaren und der ſchwarzen Tuſche, welche ſie mit Waſſer auf einer marmornen, glatt polirten Tafel, die einen niedrigen Rand und nicht völlig die Größe einer Theeſchale hat, anmachen. Rothe Tuſche wendet man nur zu Aufſchriften und Titeln der Bücher an. Es gibt in Canton aber auch ein ſtärkeres Papier, das ſich zum Schreiben mit Feder und Tinte vortrefflich eignet, und daher von den Europäern gebraucht wird; es führt den NamenMacaopapier Das Druckpapier iſt ſo dünn, wie eine Eihaut; weil es durchſchlägt, bedruckt man es nur auf einer Seite. Dies geſchieht nicht mit beweglichen Schriftzeichen, ſondern auf die Art, wie wir den Kattun drucken, nämlich mit ausgeſchnitzten Holztafeln. Das Format der Bücher kömmt unſerem Regaloctav am nächſten. m

Von dem Reichthum, welchen China an Büchern beſitzt, ward ich in den Vorſtädten von Canton wenig gewahr; diejenigen, welche mir zu Geſicht kamen, waren in dünnes, weißes Papier geheftet. Deſto häufiger ſind Kalender; man verkauft ſie auf allen Marktplätzen und Gaſſen. Ausländiſche Schriften ſind nirgends anzutreffen, mit Ausnahme der engliſchen Zeitung, zu deren Druck die dortigen Engländer eine beſondere Preſſe unterhalten.

Bevor ich in meiner Beſchreibung weiter gehe, ſcheint es mir nöthig, einige Bemerkungen über die Staatsverfaſſung China's voraus zu ſchicken, weil ſich nur hieraus die Sonderbarkeiten und die Widerſprüche erklären laſſen, auf welche man bei Erwägung alles deſſen ſtößt, was den Geiſt und Charakter, ſo wie die Sitten, Gebräuche und mechaniſchen Fertigkeiten der Einwohner betrifft. Obſchon die alte Geſchichte der Chineſen äußerſt fabelhaft iſt, ſo geht doch ſo viel daraus hervor, daß ſie in den früheſten Zeiten mehre kleine, von eigenen Königen beherrſchte Völker bildeten, die eine eigenthümliche Verfaſſung und einen für das damalige Zeitalter hohen Grad des Kunſtfleißes beſaßen, bis ſie in den noch jetzt beſtehenden großen Staatskörper vereinigt wurden. Die Be⸗ herrſcher dieſes Reichs gaben zwar viel gute moraliſche Geſetze, ſuchten aber die Gewalt über ihre Unterthanen auf eine Art zu befeſtigen, die alle Kunſtgriffe des Despotismus für erlaubt hielt; es wurden nicht nur den Handlungen, ſon⸗ dern auch den Gedanken Feſſeln angelegt. Um die Schätze des Volks an ſich zu ziehen, und es beſtändig in Furcht zu erhalten, überſchwemmte man das Land mit Beamten oder Mandarinen, welchen ſogar die Gewalt verliehen wurde, alle Verbrecher, wenn ſie nicht des Todes ſchuldig ſind, auf der Stelle beſtrafen zu laſſen, ohne ſie erſt in Verhaft zu nehmen. Einem vornehmen Mandarin gingen auf der Straße wohl hundert Henker voran, welche mit Peitſchen, Bam⸗