Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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koſtet ſelbſt den Eingebornen viel Zeit und Mühe; die meiſten ſind kaum mit dem dritten Theile derſelben bekannt, und diejenigen, welche ſie zur Hälfte inne haben, machen Anſprüche auf Gelehrſamkeit. Die Europäer können nur durch einen vieljährigen Aufenthalt im Lande einige, wiewohl ſehr unvollkommene Kenntniß der chineſiſchen Sprache erwerben, weil viele Töne unerreichbar für ihr Ohr und unausſprechbar für ihre Zunge ſind. Aus dem Grunde ſehen diejenigen Einwohner von Canton, welche mit ihnen Verkehr haben, ſich ge⸗ nöthigt, die Sprachen derſelben zu erlernen, wobei ſie auch eine große Geleh⸗ rigkeit zeigen. Nicht nur die im Dienſte der Europäer ſtehenden Knechte und Arbeiter, ſondern auch Kaufleute und Handwerker ſprechen engliſch und portu⸗ gieſiſch, viele auch franzöſiſch und holländiſch, und einige ſogar ſchwediſch und däniſch. Deſſen ungeachtet gehört einige Zeit dazu, ſie verſtehen zu lernen, weil ſie die europäiſchen Wörter mit fremdartigen Vocalen und Accenten, und eine Sprache mit der andern, beſonders der portugieſiſchen, vermiſchen; überdem haben ſie das Vorurtheil, daß der Europäer ſeiner eigenen Mutterſprache nicht mächtig iſt, wenn er die von ihnen gebildete Mundart unverſtändlich findet. Indeß beſitzen ſie eine vorzügliche Kunſt, in Fällen, wo ihre Rede nicht be⸗ griffen wird, ſich durch Geberden auszudrücken.

Eben ſo viel Sonderbares, als die Sprache, hat auch die Schrift der Chineſen. Sie iſt weder eigentliche Hieroglyphen⸗, noch Silben⸗, noch Buch⸗ ſtabenſchrift, ſondern ſtellt die Begriffe, und zwar jedes Merkmal deſelben durch ein eigenes Zeichen dar, ohne mit dem Ausdruck in der Sprache verbunden zu ſein. Man kann daher, wenn auch unbekannt mit der letztern, dennoch ein chi⸗ neſiſches Buch verſtehen, wie dies z. B. mit den Einwohnern von Tunkin, Cochin⸗China und Japan der Fall iſt, welche, weil ſie die Schriftzeichen der Chineſen kennen, dlce derſelben leſen, ungeachtet ſie nicht ihre Sprache reden. Der chineſiſchen Schrift liegen ſechs theils gerade, theils krumme Linien zum Grunde, welche zunächſt die zweihundert und vierzehn Schlüſſel oder Ur⸗ zeichen bilden, womit alle übrige Zeichen, deren Zahl ſich auf achtzigtauſend beläuft, zuſammengeſetzt ſind. Dieſe alle dem Gedächtniß einzuprägen, reicht kein Menſchenleben hin; indeſſen ſind ſchon acht bis zehntauſend hinreichend, ein gewöhnliches Buch zu verſtehen...

Die Chineſen ſchreiben von der Rechten zur Linken, von oben nach unten, und fangen ihre Bücher da an, wo die unſrigen aufhören. Ihr Papier wird von der innern Rinde des Bambusbaums und verſchiedener anderer Bäume, jedoch nur aus der zweiten, ſehr weichen und weißen Schale verfertigt. Es hat ein ungemein großes Format— man macht Bogen von ſechs bis zwölf und mehr Fuß— und, außer der weißen Farbe, keine Aehnlichkeit mit dem euro⸗