Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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Nach genoſſenem Thee wurde die Unterhaltung wieder allgemein. Ein deutſcher Kapitän ließ ſeine Guitarre und ein ſchwediſcher ſeine Flöte holen. Kleine Konzerte wechſelten nun mit Geſellſchaftſpielen; denn das Kartenſpiel iſt glücklicher Weiſe von den Schiffen ganz verbannt.

Dieſe Beluſtigungen würden wahrſcheinlich bis in die ſpäte Nacht fortge⸗ dauert haben, wenn nicht ein eben ſo ſeltſamer als unangenehmer Vorfall die Geſellſchaft bei guter Zeit zum Aufbruch veranlaßt hätte. Während wir uns noch Alle lachend und erzählend an Deck umhertrieben, nahm ein großer weib⸗ licher Affe, den man im Schiffe hielt, das vierteljährige Kind des Kapitäns aus dem Bette, und ſprang damit auf das äußerſte Ende des Bugſpriets. Die Mutter des Kindes, welche ihn zuerſt bemerkte, lief wie wahnſinnig hinter ihm her, ſtürzte aber vom Bugſpriet hinab in das Meer. Allerdings wurde ſie von den zahlreich verſammelten Booten augenblicklich gerettet und wieder an Bord gebracht, bald nachher fiel ſie aber vor Angſt in Ohnmacht, und erholte ſich erſt wieder, als der Vater das Kind unverſehrt an ihre Bruſt legte.

Der Affe gab indeß einen ſehr auffallenden Beweis nicht nur von affen⸗ artiger Liſt, ſondern auch von Verſtand und Gefühlen, die an das Menſchliche gränzen. So oft Jemand ſich ihm näherte, machte er Miene, mit dem Kinde an den Stagen in die Höhe zu klettern, oder drohte es über Bord zu werfen; wich man aber wieder zurück, ſo liebkoſ'te er es, und ſuchte ſein Schreien zu beſänftigen. Man war daher genöthigt, vom Verfolgen abzuſtehen, und in einiger Entfernung dem Ausgang der Sache mit banger Furcht entgegenzuſehen; nur wurden die Boote vor den Bug hin beordert, dem Kinde, wenn es in's Waſſer fiele, ſchleunig Hülfe leiſten zu können. Das Thier nahm ſodann eine ſitzende Stellung an, legte das Kind, das es bisher in den Armen gehalten hatte, auf ſeinen Schooß, und überließ ſich nun aller der Zärtlichkeit, die das weibliche Geſchlecht für junge Weſen fühlt, und die ſich beſonders durch eine gewiſſe Liebe, mit ihnen zu tändeln, äußert. Es drückte das Kind an ſich, legte ſein Maul an deſſen Wangen, zupfte es an der Naſe, und zeigte ſich uner⸗ ſchöpflich an den Abwechſelungen ſeines Spiels, während das Kind lächelte und Wohlbehagen verrieth. Endlich ſtand es wieder auf, drückte das Kind noch einmal an ſich, legte daſſelbe vorſichtig in das Stagſegelnetz(wo man es ſogleich abholte), und kletterte mit unglaublicher Behendigkeit auf die äußerſte Spitze des Fockmaſtes. Ich bin überzeugt, es würde das Kind auf ſein Bett zurückgetragen haben, wenn es nicht gefürchtet hätte, auf dem Wege dahin er⸗ griffen und gemißhandelt zu werden.

Dieſer Affe war übrigens ungewöhnlich muthwilliger Natur, und ſeine

Ränke kamen dem Kapitän oft ſehr theuer zu ſtehen. Unter andern war er ein⸗ Richter's Reiſen, I. 2