Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

mal über deſſen Geldkaſten gerathen, hatte ein Goldſtück nach dem andern weg⸗ genommen und zum Fenſter hinaus geworfen, um ſich am Flimmern des unter⸗ ſinkenden Metalls zu ergötzen. Beim Ueberzählen des Geldes hatte man gegen zwanzig Stück vermißt. Leichtfertige Streiche von geringerer Bedeutung ver⸗ übte er täglich. Der Koch mußte bei Zubereitung der Speiſen ſtets auf der Hut vor ſeinen Diebereien ſein, und die Matroſen durften nichts von ihren Geräthſchaften umher liegen laſſen, wenn ſie es nicht der Gefahr ausſetzen wollten, von dem neckiſchen Thier fortgeſchleppt, oder gar über Bord geworfen zu werden. Bei ſtürmiſchem Wetter löſ'te er bisweilen die Bänder der zuſam⸗ mengeſchnürten Segel, ſo daß dieſelben, ehe man ſich's verſah, auseinander flogen, und nur mit Mühe wieder aufgerollt und befeſtigt werden konnten.

Trotzdem war die Nachſicht des Kapitäns gegen dieſes Thier ſo groß, daß er es nach wie vor im vollen Beſitze ſeiner Freiheit ließ. Ueberhaupt gehört eine ungewöhnliche Liebe zu Thieren unter die Eigenheiten aller Seeleute. Der roheſte Matroſe liebkoſ't und pflegt die Hunde, Katzen und alle Thiere ſeines Schiffs mit eben ſo großer Zärtlichkeit, als das ſanfteſte Mädchen ſeine Haus⸗ thiere. Aber auch die Anhänglichkeit der Thiere an den Menſchen beweiſßt ſich auf der See ungleich ſtärker, als auf dem Lande. Die Unwirthbarkeit des Ele⸗ mentes ſcheint Menſchen und Thiere feſter an einander zu ketten, wie jedes Thier bei'm Ueberſturz einer Welle ſich an den Menſchen ſchmiegt, als ob es Schutz von ihm erwarte!

3.

Johannisfeuer. Milde des Klima's an den norwegiſchen Küſten. Das friſche Waſſer auf dem Schiffe verdirbt Urſachen davon und Mittel dem Uebel abzuhelfen. In der Gegend des Nordcaps Sturm und heftige Regengüſſe das Schiff wird zurückgetrieben. Mittel, wodurch die Seeleute den Mangel trockner Kleider erſetzen. Wie ſie das Regenwaſſer gebrauchen, und welchen Werth das friſche bei ihnen hat. Das Schiff läuft in eine Bai der Inſel Sennien ein. Lage der Bai. Spaziergang am Lande. Sonderbare Beſchaffenheit des Strandes. Die Wohnungen einiger norwegiſchen Fiſcher einige Eigenſchaften derſelben. Lappländiſche Fiſcher ihre Verſchiedenheit von den norwegiſchen Be⸗ ſchreibung ihrer Hütten. Die Trunkenheit ein Fehler aller Lappländer. Unſere Aufnahme beim Kauf⸗ mann Schytte. Allgemeine Bemerkungen über die norwegiſchen Kaufleute in Lappland.

Um Nitternacht bemerkte ich, daß auch in dieſen nördlichen Gegenden der Gebrauch, Johannisfeuer anzuzünden, beobachtet wird; denn längs der ganzen Reihe der Lofodener und Weſteraalener Inſeln ſtiegen dicke Rauchwolken von den Felſenſpitzen auf. Aber die Feuer ſelbſt, die in der finſtern Nacht der ſüd⸗ lichern Himmelsſtriche einen vortrefflichen Anblick gewährt haben würden, waren, da die Sonne in dieſer hohen Breite in einem hellrothen Feuer am Horizonte glänzte, größten Theils unſichtbar.