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ſchien der Kapitän, ein junger Mann von ſo viel Feinheit im Umgange, als man bei Seeleuten ſelten antrifft, und hinter ihm ſeine Gattin, ein junges geiſtvolles Weib, die Schöpferin aller der uns umgebenden Herrlichkeiten und das Glück ihres zärtlichen Gatten, der den heutigen Tag zur Feier ihres neun⸗ zehnten Geburttages beſtimmt hatte. Sie war die Tochter eines reichen Pflan⸗ zers auf St. Thomas, hatte ihre letzte Erziehung in Kopenhagen erhalten, und war mit ihrem Gatten, dem Kapitän, der ſie wieder zurückbrachte, auf der Reiſe bekannt geworden.
Man ſieht hieraus, daß auch die Schiffe Gelegenheit zu Heirathſtiftungen darbieten. Ja, im letzten Kriege waren die Seereiſen für heirathluſtige Britin⸗ nen oft das einzige Mittel, zum Ziel ihrer Wünſche zu gelangen. Sie reiſ'ten nach dem Mittelmeer, nach Nordamerika und andern Gegenden, wo ein Theil ihrer Landsleute verſammelt war, und— hatten faſt immer das Glück, als Weiber oder Bräute heimzukehren.
Mit dem Glockenſchlage Zwölf ſtrömte die übrige eingeladene Geſellſchaft herbei, zehn oder eilf Kapitäne von verſchiedenen Nationen, die zum Theil ihre Familie und ihre Paſſagiere bei ſich hatten. Sie erſchienen mit einem Ge⸗ pränge, wie es die Feſtlichkeit des Tages, der Nationalſtolz oder auch die Eitel⸗ keit gebot. Man hatte die Sitze der Boote mit Flaggen, koſtbaren Decken oder mit Teppichen belegt, und die anſehnlichſten und geſchickteſten Matroſen zum Rudern ausgeſucht. Unter allen ankommenden Gäſten zeichneten ſich die Schwe⸗ den, ob ſie gleich am einfachſten gekleidet waren, am meiſten aus; denn ihre Ruderer brachten ſie mit denſelben Förmlichkeiten, die von den Matroſen der Kriegſchiffe beim Fahren der vornehmſten Perſonen beobachtet werden. Schon von weitem erregten ſie durch taktmäßige, langſam und feierlich auf einander folgende Ruderſchläge unſere Aufmerkſamkeit. Als ſie ſich dem Schiffe näher⸗ ten, machten ſie einen weiten Bogen, hoben dann, von ihren Sitzen aufſprin⸗ gend, die Ruder ſchnell in die Höhe(eine Ehrenbezeugung, welche dem Präſen⸗ tiren des Gewehrs beim Militär entſpricht), und hielten endlich in dieſer Stellung ehrerbietig und mit entblößtem Haupt vor der Treppe ſtill, bis ihr Kapitän und ſeine Begleiter das Verdeck erreicht hatten. Ueberhaupt beweiſen die ſchwediſchen Seeleute ihren Vorgeſetzten eine faſt ſklaviſche Ergebenheit, die freilich oft ſehr auffallend iſt, und andern Seeleuten Anlaß zu Spöttereien gibt. Ein Hauptgegenſtand ihres Spottes war früher der auf den ſchwediſchen Schiffen eingeführte Gebrauch, daß die Matroſen, ſo oft ſie friſche Fleiſchſuppe (stor suppa, d. i. große Suppe, von ihnen genannt) erhalten hatten, ſich in
zwei Reihen vor dem Eingang der Kajüte aufſtellten, und dem Kapitän in den demüthigſten Ausdrücken ihre Dankbarkeit bezeigten.


