Fertigkeiten des gemeinen Matroſen erlangt haben, und Fähigkeit zu höheren Stellen zeigen, unterrichtet man wohl auch in der Steuermannskunſt, aber an Religion wird während der ganzen Zeit ſelten oder nie gedacht. Ja, manche Kapitäne ſind ſogar der Meinung, daß religiöſe Uebungen den Seemann weich⸗ lich und muthlos machen, und daß es beſſer ſei, ihn durch Strenge zur Erfül⸗ lung ſeiner Pflichten anzuhalten. Durch eine ſolche Behandlung ſieht mancher Lehrling ſich genöthigt, von einem Schiffe zu dem andern zu entlaufen, und reift zum Manne, ohne ſich richtige Grundſätze von ſeiner Beſtimmung ver⸗ ſchafft zu haben. Unſer Kapitän machte ſich es ſtets zur heiligen Pflicht, ſeine Leute zum Gottesdienſt anzuhalten. Wenn das Wetter es erlaubte, hielt er jeden Morgen und Abend eine kurze Betſtunde, und las an Sonntagen eine lange erbauliche Predigt vor. Dieß und beſonders die geſchickte Art, wie er den Text auf das Betragen ſeiner Leute anwendete, war ungleich wirkſamer, als die harte, mit Schelten und Fluchen begleitete Behandlung der Matroſen auf andern Schiffen. Er hatte ſtets geſittete, arbeitſame und dennoch uner⸗ ſchrockene Leute.
Nach beendigtem Gottesdienſt wurde der Kapitän zum Mittageſſen auf ein anderes däniſches Schiff eingeladen, wohin er ſich, mit mir und ſeinen Söhnen, bei guter Zeit begab. Wir fanden uns von der übertriebenen Rein⸗ lichkeit und der Pracht dieſes Schiffes nicht wenig überraſcht. Außer acht metallenen, glänzend polirten Kanonen waren auch andere Gegenſtände, die anderswo von Eiſen ſind, von polirtem Metall. Das Hinterdeck war mit Tafeln von Eichen⸗ und Ebenholz nach Art eines Damenbretes belegt. Ueber demſelben hatte man ein ſchönes, blau und weiß geſtreiftes Sonnenzelt ausge⸗ ſpannt, und an den Seiten vortreffliche Citronen⸗ und Pomeranzenbäumchen aufgeſtellt. Die Wände der Kajüte beſtanden aus Mahagoniholz, das wie ein Spiegel glänzte; kurz, die ganze Einrichtung zeigte von gutem Geſchmack, von Eitelkeit und Reichthum. Mancher Leſer möchte hierbei wohl die Frage auf⸗ werfen, wozu ſolche Pracht auf einem Schiffe dient, das vielleicht morgen vom Sturme zerſtört, oder gar in den Wellen begraben wird? Allein der Seemann fürchtet dieß ſo wenig, als der Einwohner auf dem Feſtlande beim Ausſchmücken eines Hauſes auf den Gedanken kommt, daß es vielleicht morgen mit allem, was ſich darin befindet, ein Raub der Flammen werden kann.— Auch die Kambüſe(Küche), die auf den meiſten Kauffahrern zur näheren Betrachtung wenig einladet, konnte man nicht ohne Vergnügen ſehen. Sie enthielt nicht nur mancherlei Küchengeräth, womit die Schiffe ſich ſonſt nicht befaſſen, ſon⸗ dern dieſes war auch äußerſt ſauber und in der ſchönſten Ordnung aufgeſtellt. Der Koch, der Kochsmaat und die Kajütjungen, reinlich angekleidet und mit


