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Leute an heiligen Abenden gewöhnlich bewirthet wurden, fertig hatte. Ihrem frohen Mahle machte erſt die ſpäte Nacht ein Ende.
Am 24. ward ich ſchon früh um drei Uhr von dem lebhaften Kanonen⸗ donner, womit man die Feſtlichkeit des heutigen Tages auf allen Schiffen ver⸗ kündigte, aus dem Schlafe geweckt und auf's Verdeck gelockt. Als der Pul⸗ verdampf verflogen war, erblickte ich die ganze Flotte in feſtlichem Glanze, mit Staatsflaggen und mit langen, bis auf das Meer herabhangenden Wimpeln auf den Maſtſpitzen. Ein herrlicher Anblick! Nicht weniger ſchön war das Wetter; kein Wölkchen trübte den Himmel, es wehten gelinde Lüftchen, und die Sonne ſchien bereits ſehr warm. Doch ein allgemeines Scheuern, welches auf dem Schiffe Statt fand, ließ mich dieſen köſtlichen, herzerhebenden Morgen nicht lange genießen, und ſcheuchte mich bald in meine Kammer zurück. Zwar wurde das ganze Schiff jeden Morgen mit Bürſten abgewaſchen, aber an Sonn⸗ und Feſttagen ſcheuerte man die Dielen mit weißen Sandſteinen. In der Kajüte bediente man ſich zu dieſer Arbeit kleiner Steine, auf dem Verdeck aber eines Quaderſteins, der mittels daran befeſtigter Taue hin und her gezo⸗ gen wurde.
Um acht Uhr Morgens war das ganze Schiff wieder trocken und— ich ſage nicht zu viel— blendend weiß. Das ſämmtliche Schiffsvolk hatte ſeine alltäglichen, mit Theer beſchmutzten Kleider abgeworfen und feſttägliche blaue Jacken und Hoſen angezogen. Nur der Koch und ſein Gehülfe, der ſo genannte Kochsmaat, waren noch in ihrem beräucherten Küchengewand und beſchäftigt, ein geſchlachtetes Schwein in mancherlei Formen zum Nittageſſen zuzubereiten.
Nach dem Frühſtück begab ſich die ganze Mannſchaft in feierlicher Stille
auf das Hinterdeck, wo unter einem Sonnenzelte Gottesdienſt gehalten wurde, eine Handlung, die in unſern Tagen auf den Kauffahrern ziemlich abgekommen iſt. Noch vor funfzig Jahren unternahm kein Schiffskapitän eine etwas weite Reiſe ohne Begleitung eines Predigers; jetzt macht man Reiſen nach Oſtindien und den entlegenſten Weltgegenden, ohne an gottesdienſtliche Uebung nur zu denken. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, daß der zehnte Theil der europäiſchen Seeleute nicht einmal confirmirt iſt, und daß noch mehre, wenn ſie dieß auch ſind, ſeitdem nie eine Kirche betreten haben, es müßte denn aus Neugier oder ſonſt aus beſondern Urſachen geſchehen ſein. Ehedem wurde kein Lehrling, der nicht confirmirt war, auf ein Schiff genommen; jetzt iſt ein Alter von zehn Jahren dazu hinreichend. Die Kapitäne nehmen ſie in dieſem Alter am liebſten, weil ſie ſich dann mit leichter Mühe zu geſchickten Seeleuten erzie⸗ hen laſſen; und überdem ſind viele Aeltern froh, wenn ſie der Verpflegung ihrer Kinder ſo bald als möglich überhoben werden. Lehrlinge, welche die


