2
betreten zu dürfen; denn auch uns hatte bei der Ankunft dasſelbe Loos betrof⸗ fen. Die meiſten dieſer Schiffe waren holländiſche, jedoch unter oldenburgiſcher Flagge, welche, wegen ihrer Neutralität, in jenen kriegeriſchen Zeiten häufig gebraucht wurde, um ungehindert Schifffahrt und Handel zu treiben.
Am 5. gelangten wir ſehr früh in die hohe See, und verloren, da ein weſtlicher Wind unſere Fahrt begünſtigte, in kurzem das Land aus dem Ge⸗ ſichte. Das Wetter war überaus angenehm, und erhob das Gemüth zur fröhlichſten Stimmung. Die gemeinen Seeleute verrichteten ihre Arbeit unter luſtigen Erzählungen ihrer beſtandenen Abenteuer, und der am Bord befindliche Paſſagier, welcher von der Regel, die Seekrankheit zu bekommen, eine Aus⸗ nahme machte, unterhielt die Uebrigen mit Geſang und Guitarrenſpiel.
Abends um acht Uhr, als Alles auf dem Schiffe in die erforderliche Ordnung gebracht war, berief man, wie es am erſten Tage nach der Abfahrt gewöhnlich iſt, das ganze Schiffsvolk zuſammen, um es in zwei Haufen zu theilen, die man Wachen nennt. Es wird nämlich von den beiden Steuermän⸗ nern, als den befehlhabenden Offizieren derſelben, abwechſelnd ein Mann nach dem andern gewählt, indem die vom Oberſteuermann aufgerufenen ſich auf die Steuerbordſeite, und diejenigen, welche der Unterſteuermann aufruft, auf die Backbordſeite ſtellen; weßhalb jene die Steuerbord⸗ und dieſe die Backbord⸗ wache heißen. Da die Ordnung, in der die Leute aufgerufen werden, ihnen zum Maßſtab dient, um die Gunſt, in welcher ſie bei ihren Obern ſtehen, und den Rang, welchen ſie unter einander ſelbſt einnehmen, zu berechnen, ſo fühlen ſich die zuerſt aufgerufenen durch dieſe Auszeichnung natürlich geſchmeichelt. Erſt nach dem Anordnen der Wachen nimmt die eigentliche Seeordnung ihren Anfang. Die Glocke wird geläutet. Die eine Abtheilung zieht ſich in ihre Coyen zurück, die andere übernimmt die Sorge für das ganze ⸗Schiff und be⸗ ſetzt den Poſten am Ruder. Nach Verlauf der erſten halben Stunde wird ein Glockenſchlag gegeben, nach der zweiten zwei Glockenſchläge und jede halbe Stunde einer mehr, bis zu acht Schlägen, oder vier Stunden. Dann beginnt es wieder mit einem Schlag, wonach alſo zum Beiſpiel vier Schläge zwei, ſechs und zehn Uhr bedeuten. Da man in früheren Jahren die Zeit nach Sanduhren oder Gläſern abtheilte, ſo ſagt der Seemann noch jetzt, es hat ſo und ſoviel Glaſen geſchlagen.
Nach Verlauf von zwei Stunden wird der Mann am Ruder abgelößt. Nach vier Stunden, wo die Wachtzeit zu Ende iſt, wird der andern Abtheilung durch acht Glockenſchläge und durch einen geſangartigen Aufruf, dem ein drei⸗ maliges kräftiges Pochen vorausgeht, das Zeichen zum Ablöſen gegeben. Nach wenig Minuten erſcheint ſie, und beſetzt alle Poſten. In dieſer Ordnung geht


