J.
Tagebuch
meiner Seereiſe von Emden nach Archangel und von da nach Hamburg.
1.
Beſtimmung des Schiffes, womit der Verf. reiſt. Abfahrt von Emden. Die Mannſchaft wird in
Wachen eingetheilt— Beſchreibung der Gebräuche dabei. Verſchiedene Arten zu ſegeln in Bezug auf
die Richtung des Windes. Nebenbeſchäftigungen der Seeleute— ihre Gewandtheit in mechaniſchen
Arbeiten. Seemänniſche Lebensweiſe im Eſſen und Trinken. Ankunft an der norwegiſchen Küſte.
Glücklicher Fiſchfang— Erlegung eines Haifiſches. Man trifft auf ein Schiff, deſſen Mannſchaft ermordet iſt.
Das däniſche Kauffahrteiſchiff Fredensborg, befehligt vom Kapitän Fedderſen, welchen ich, laut des Vorberichts, als Führer ſeiner beiden Söhne auf mehren Reiſen begleitete, erhielt in Emden, im Frühjahr 1805, die Be⸗ ſtimmung, eine Ladung Korn von Archangel nach Hamburg zu bringen. Wir nahmen daher am 2. Juni d. J. Ballaſt und Lebensmittel ein, und ſegelten am 4. aus dem Hafen die Ems hinab.
Eine Meile von der Mündung nöthigte uns die eingetretene Fluth zu ankern, und die Rückkehr der Ebbe zu erwarten. In unſerer Nähe lag das Wachſchiff, eine Schmack, welche mit einigen Kanonen und mit militäriſcher Bedeckung verſehen war. Dieſes Fahrzeug ward am heutigen Tage in volle Thätigkeit geſetzt, um der allzu großen Eilfertigkeit der ankommenden Schiffe zu wehren, ihre Päſſe zu unterſuchen, und ihnen das Einlaufen in den Hafen zu geſtatten oder zu verweigern. Viele, die aus entfernten Gegenden kamen, mußten auf der Stelle ankern und Quarantäne halten. Sie erregten mein ganzes Mitleid, da ich mich ſehr lebhaft erinnerte, wie unangenehm es iſt,
nach einer weiten Seereiſe das Land vor Augen zu haben, und es doch nicht
Richter's Reiſen. I.. 1


