19
Dieß iſt der Paſſat⸗ oder— wie man ihn auf den Antillen nennt, weil er uͤber den Ocean kommt,— der Seewind. Er erhebt ſich jeden Morgen ungefaͤhr um die neunte Stunde. Je hoͤher die Sonne ſteigt, und je heftiger ihre Strahlen wirken, deſto mehr nimmt ſeine Staͤrke zu, die wieder abnimmt, ſo wie die Sonne im Weſten hinabſinkt und an Wirkſamkeit verliert. Nach ihrem Untergang legt er ſich uͤber den Inſeln und in einiger Entfernung davon gaͤnzlich. Es tritt dann eine kurze Stille ein, worauf der Landwind folgt, welcher an allen Seiten, von den Gebirgen herab, dem Meere zuſtroͤmt, ſo daß nicht ſelten Schiffe, welche zur Nachtzeit rund um ein Eiland ſegeln, den Wind beſtaͤndig von der Seite haben. Die groͤßere oder mindere Heftigkeit desſelben ſteht jederzeit mit der Hitze, der das Land am verfloſſenen Tage ausgeſetzt war, im Verhaͤltniß.
Es leuchtet ein, daß die hier genannten Winde die Wirkung der Sonne ſind. Sie dehnt durch die Macht ihrer Strahlen die Luft aus, treibt ſie, auf dem Kreislaufe von Oſten nach Weſten, gleichſam vor ſich her, und erzeugt ſo den Paſſatwind. Dieſer ſetzt zwar auch waͤhrend der Nacht, uͤber dem Ocean, die einmal angenommene Bewegung, obſchon ſchwaͤcher fort; wird aber in der Naͤhe der Inſeln aufgehalten, weil hier die Luft, mit den von dem erhitzten Erdboden aufſteigenden Duͤnſten gefuͤllt, nach dem kuͤhleren Meere ſich auszubreiten ſtrebt, wodurch der Landwind entſteht. 2*


