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rohr, daher man einen Schlag mit der Elle, weil die⸗ ſes Maß aus demſelben Holze verfertigt wird, fuͤr ſchimpflich haͤlt. Diebe fuͤhrt man uͤberdem mit einem Brete, welches oben den Hals und unten die Haͤnde umſchließt, mehre Tage in der Stadt herum, und ſchnei⸗ det ihnen zur fortdauernden Beſchimpfung den Haar⸗ zopf ab. Geſchaͤndete Jungfrauen muͤſſen ſich gefallen laſſen, auf oͤffentlichem Markte zum niedrigſten Skla⸗ vendienſt verkauft zu werden. Gegen Aufruͤhrer wird mit der groͤßten Grauſamkeit verfahren; man laͤßt ſie z. B. von Pferden zerreißen.—
Den Todten erweiſ't man in China vorzuͤgliche
Ehre, und begraͤbt ſie mit vielem Geldaufwand und
Gepraͤnge. Bei einem gewoͤhnlichen Leichenzuge gehen zuerſt zwei Maͤnner mit Fahnen voraus; dann folgt ein Chor Muſikanten. Hinter dieſen wird das Goͤtzen⸗ bild des Verſtorbenen, welches zu der Feierlichkeit friſch vergoldet worden iſt, auf einem praͤchtigen Pa⸗ lankin getragen, worauf der Sarg kommt, den man auf Bambusſtangen traͤgt. Den Zug ſchließt ein Heer von Leidtragenden, die großen Theils gemiethet werden. Die Verwandten ſind ganz weiß gekleidet, und die Uebrigen haben den Kopf mit weißen Tuͤchern verhuͤllt. Wenn der Todte in das Grab geſenkt iſt, ſetzen die Angehoͤrigen zu ſeinem Unterhalte Reiß, Thee und an⸗ dere Lebensmittel auf den Sarg, ſo wie ſie auch einige
Geldſtuͤcke darauf legen. Nach der Zeit kommen ſie
oft, bisweilen jeden Morgen, zu dem Grabe, um Opfer 4


