Teil eines Werkes 
5. Bändchen (1831) Reise von London nach China und Rückkehr nach England : mit besonderer Hinsicht auf den Charakter und die Lebensart der Seeleute / von F.T.M. Richter
Entstehung
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darzubringen. In Canton haͤlt man auch auf dem Strom Leichenbegaͤngniſſe, indem der Todte, von den Trauernden begleitet, unter Muſik in einem Boote hin und her gefahren wird, welches bis an die Spitze des Maſtes mit bunten Laternen erleuchtet iſt. Dieß ge⸗ ſchieht viele Abende nach einander, und nicht ſelten mehre Jahre nach dem Begraͤbniſſe des Todten. Wenn Jemand auf Reiſen im Lande ſtirbt, ſo laſſen die An⸗ gehoͤrigen ſeinen Leichnam, wenn auch einige hundert Meilen weit, an ſeinen Wohnort bringen. Waͤhrend der ſo genannten tiefen Trauer, welche ſieben Wochen dauert, muͤſſen dieſelben taͤglich fuͤr den Verſtorbenen beten, opfern und ſtets mit Gedanken an ihn beſchaͤf⸗ tigt ſein. Innerhalb der Stadt Jemanden zu beerdi⸗ gen, iſt nicht erlaubt. Die Graͤber werden, wie ich ſchon oben erwaͤhnte, an den Seiten der Berge ge⸗ macht. Sie haben das Anſehen eines Eiskellers; an der Stelle der Thuͤr befindet ſich eine aufgerichtete Steinplatte, in welche die Denkſchrift eingehauen iſt. Ungeachtet Canton im Ganzen ein geſundes Klima hat, ſo ſind dennoch die Einwohner mancherlei Krank⸗ heiten unterworfen. Viele werden blind geboren, oder verlieren nach der Geburt ihr Geſicht; und dieß ſind die einzigen in Canton geduldeten Bettler, welchen man als Gabe einen Loͤffel voll Reiß zu reichen pflegt. Die Meiſten leiden an Kurzſichtigkeit, ſo wie auch Viele triefende Augen oder geſchwollene Augenlider haben.

Die urſache dieſer Uebel wird von den europaͤiſchen 13*