Teil eines Werkes 
5. Bändchen (1831) Reise von London nach China und Rückkehr nach England : mit besonderer Hinsicht auf den Charakter und die Lebensart der Seeleute / von F.T.M. Richter
Entstehung
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die Braut nicht zu ſehen. Er empfaͤngt dieſelbe an der Hausthuͤr, und uͤbergibt ſie ſeiner Mutter, wor⸗ auf er die eingeladenen maͤnnlichen Gaͤſte in einem be⸗ ſondern Zimmer bewirthet. Bei ſolchen Gelegenheiten iſt das ganze Haus in⸗ und auswendig mit Blumen⸗ kraͤnzen und Fahnen geſchmuͤckt, und toͤnt von dem laͤrmenden Spiel der Muſikanten wieder. Auch auf den Schampanen feiert man die Hochzeiten auf aͤhn⸗ liche Weiſe.

Die Vielweiberei findet in der Regel bei den Chi⸗ neſen nicht Statt. Nur den Vornehmen iſt ſie er⸗ laubt; doch duͤrfen diejenigen, welche im vierzigſten Jahre noch keine Kinder haben, neben der rechtmaͤßi⸗ gen erſten Frau, eine zweite oder dritte nehmen, um den Stamm nicht erloͤſchen zu laſſen. In jedem Fall genießt die erſte beſondere Rechte vor den uͤbrigen.

Die Soͤhne werden, um ſich mit ihrer Mutter⸗ ſprache, den Schriftzeichen, Sitten u. ſ. w. bekannt zu machen, fruͤhzeitig in die Schulen geſchickt, deren Anzahl in Canton bedeutend iſt. Auch haͤlt man ſie in einem fruͤhern Alter, als es bei den Europaͤern ge⸗ ſchieht, zu nuͤtzlichen Beſchaͤftigungen an. Daher wer⸗

den viele Kuͤnſte, deren Ausuͤbung keine vorzuͤgliche

Koͤrperkraft erfodert, großen Theils von Knaben be⸗ trieben. So beſtehen z. B. die Gehuͤlfen eines Ma⸗

lers, oder eines Arbeiters in Perlmutter meiſtens in Kindern unter zwoͤlf Jahren. Die Maͤdchen erhalten

den Unterricht im Spinnen und Weben, ſo wie in an⸗