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Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
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Doch geht ſie ihren dreißig Jahren entgegen! ſagte Madame Chapuſot, nachdem ſie ganz laut alle Daten berechnet hatte.

Ich kenne Mädchen, die viel ſpäter geheirathet haben, antwortete eines Tags Tante Dorothee.

Etwa drei Jahre nach dem Tode von Onkel Cäſar erfüllte Theodor, deſſen Ehrgeiz ſich ganz und gar beruhigt hatte, die Functionen eines Oberſchrei⸗ bers bei Meiſter Chardacier, mit der Ausſicht, in nicht gar ferner Zeit ſein Nachfolger zu werden. Sein Heimweſen glich dem eines alten, gut einge⸗ richteten, wohl verſorgten Junggeſellen. Marcelle eerte das Haus. Caſcarel genoß eines ruhigen Alters bei ihm. Er hatte eine ſtille, bequeme, wenn nicht glückliche Exiſtenz. Wiewohl das Aeußere die⸗ ſer Wirthſchaft die beſcheidenſte Mittelmäßigkeit an⸗ kündigte, ſo herrſchte daſelbſt doch eine ſo ſchöne Eintheilung, eine ſo vollkommene Ordnung, daß Tante Dorothee oft dahin kam, um, wie ſie zu ſagen beliebte, ſich in den Möbeln zu ſpiegeln, und dar⸗ auf zu ihrer Pathin ſagte:

Wahrhaftig, Armuth iſt nicht häßlich! Wir be⸗ ſitzen nicht Reichthum, ſo viel wir ſind, und doch thut, was uns umgibt, den Augen nicht wehe! Da iſt es aber noch viel beſſer bei Theodor Fauberton: in ſeinem Hauſe herrſcht eine gewiſſe Eleganz aller

rten.

CEi! um ſo beſſer, antwortete Camilla kalt; es iſt um ſo mehr Verdienſt für ihn, als für ei⸗ nen Andern, ſich mit Wenigem zu begnügen. Vor einigen Tagen ſah ich im Vorbeigehen die Blumen⸗ töpfe vor ſeinen Fenſtern ſtehen; man muß bekennen,

Reybaud, Onkel Cäſar. 13