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Sie ſchwieg einen Augenblick, wie um ihre Zunge zu ſchärfen; dann ſetzte ſie hinzu:
„Die ſchöne Camilla geht mit ihrer Schweſter; man ſagt, der Oberſt mache ihr den Hof.“
„Ahl ſagt man das?“ murmelte Theodor die Farbe wechſelnd. Es war das erſte Mal, daß der hölliſche Pfeil der Eiferſucht ihn in's Herz traf. Bis dahin war es ihm nicht in den Sinn gekom⸗ men, daß ein Nebenbuhler es verſuchen könnte, Ca⸗ milla zu gefallen, und noch weniger, daß ſie ihm ihre Liebe ſchenken könnte. Sein Schmerz war un⸗ endlich und um ſo tödtlicher, als er denſelben in ſich verſchloß. Von dieſem Augenblick drängte er auf den Grund ſeines Herzens Alles zurück, was ihm von ſeiner Liebe blieb, das heißt, eine dürre, ver⸗ zweifelte Leidenſchaft, eine finſtere Eiferſucht. Er ſprach Camilla's Namen vor Marcelle nicht mehr aus, und als ſie in größerem Schrecken, ärgerer Bekümmerniß über ſein Stillſchweigen, als über ſeine Schmerzensausbrüche, indirect ſich wieder in
ſein Vertrauen zu drängen bemühte, ſagte er zu ihr
mit traurigem Lächeln: „Geh, liebes Mädchen, ich verberge Dir nichts; mein Geiſt iſt ruhig, mein Herz iſt todt.“
Aber Marcelle glaubte es nicht. Ein halbes Jahr ſpäter kehrte Camilla in die
väterliche Wohnung zurück. Sie war nicht verhei⸗ rathet. Madame Chapuſot, die mit einer Frau vom Regiment in Correſpondenz ſtand, verſicherte, ſie hätte beinahe den Oberſt geheirathet. Wie dem
auch ſein mochte, ſie war immer noch ſchön und ſtolzer als jemals. 1
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