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Zuweilen ſagte ihr Theodor, von einer vorüber⸗ gehenden Entmuthigung ergriffen, bitter:
„Wie ſchwer iſt es, reich zu werden! Ich be⸗ greife jetzt die, welche ihr Leben daran ſetzen, auf einmal zu Vermögen zu gelangen. Wäre ich jün⸗ ger, ich ginge nach Californien!...“
Dann kam er wieder auf ſeine fixe Idee zurück und ſuchte in ſeinem Geiſt nach Mitteln, bald zu einer guten Stellung in der Welt zu gelangen: zum Anfang arbeitete er muthig auf der Schreibſtube von Meiſter Chardacier.
Eines Nachmittags begegnete Madame Chapuſot Theodor auf dem Hauptplatz. Die gute Frau hatte einen Federnhut, mit ihrem Ternaux⸗Chale auf den Schultern, und Ringe an allen Fingern.
„Guten Morgen, werther Herr Theodor,“ ſagte ſie ſtillſtehend,„es freut mich, Sie zu ſehen. Zu Hauſe beklagt man ſich über Sie; Ihre Beſuche ſind zu ſelten. Wir unterhalten uns jetzt viel; ich empfange alle Donnerſtage. M. Chapuſot wird es Ihnen noch beſonders ſagen. Sie ſehen mich gerade im Zuge, zum Zweck meiner Einla dungen Beſuche zu machen. Jetzt gehe ich da neben an, nach der Ecke des Platzes.“
„Erlauben Sie mir, Ihnen bis dahin meinen Arm zu bieten,“ ſagte Theodor höflich.
„Nein, nein!“ rief ſie mit ihrem ſcharfen Lächeln; „ Sie können mich nicht begleiten; ich gehe zu dem Herrn Kapitän Regiments⸗Adjutanten, um der Frau Adjutantin einen Abſchiedsbeſuch zu machen, ſie reiſt dieſen Abend ab; das Regiment wechſelt die Garni⸗ ſon, es geht nach D..“


