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Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
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nun! ſo thun wir es; inzwiſchen aber dulde ich nicht, daß dieſer Federfuchſer zu ſeinem Vergnügen ſtörend an Dingen herumtappt, die in ſo guter Ordnung ſind.

Theodor ſuchte nicht offen nach Gelegenheiten, um Camilla zu ſehen, und ſie beſtrebte ſich auffal⸗ lend, ihm auszuweichen, ſeitdem ſie ſich geweigert hatte, ſeine Frau zu werden. Sie lebte zurückgezo⸗ gener als je, denn die Welt war in dieſem Fall gegen ſie. Im Allgemeinen dachte man, der arme Verliebte ſei von ſeiner Leidenſchaft für die Undank⸗ bare geheilt. Marcelle allein wußte wohl, daß er ſie noch immer liebte und daß auf dem Grund ſei⸗ nes Herzens noch eine hartnäckige Hoffnung zurück⸗ blieb.

Du wirſt ſehen, ſagte er manchmal zu ihr, ich werde reich und fordere ſie dann noch einmnal von ihrem Vater zur Ehe. Ich habe ſie ſo ſehr geliebt, ich habe ſo viel gelitten, daß ſie von meiner Standhaftigkeit gerührt werden und mir ihre Liebe wieder ſchenken wird... Ja, ich bin davon über⸗ zeugt, ich werde ſie heirathen... Du antworteſt mir nicht, Marcelle; Du biſt entrüſtet? Geh, Du haſt Recht, ich bin ein Feigling!... Ich hätte ſie vergeſſen ſollen; aber wider meinen Willen liebe ich ſie; wider meinen Willen iſt ſie meine Freude, meine Plage, die einzige bewegende Kraft, das einzige In tereſſe meines Lebens. Ach! wenn unſer Herz ſich ſo hingegeben hat, ſo ſollte man es brechen, um es wieder zurückzunehmen!

Ich weiß es, antwortete Mareelle ſchmerzlich